Wohnmobil nach Mexiko verschiffen
Mexiko

Wohnmobil nach Mexiko verschiffen

Es war ziemlich einfach unser Wohnmobil in Bremerhaven abzugeben. Der lustige Part der Verschiffung kam dann erst in Mexiko auf uns zu. Denn leider ist es in Veracruz nicht so einfach, sein Fahrzeug aus dem Hafen zu bekommen und nach Mexiko einzuführen. In anderen Häfen (z. B. Halifax in Kanada) ist das Prozedere kurz und knackig: Schiff kommt an – Fahrzeug wird entladen – Fahrzeug darf den Hafen verlassen; Dauer: 1-2 Tage. In Mexiko ist dieser Prozess etwas komplexer und kann gut und gerne mal eine ganze Woche dauern.

So lief es bei uns ab

Um das Fahrzeug aus dem Hafen holen zu dürfen, bedarf es einiger Dokumente, Telefonate, Kontrollen und Co. Eine „Agentin“ wird uns dabei unterstützen. Sie kennt sich mit den notwendigen Schritten aus und wird uns durch den Prozess begleiten. Direkt am Folgetag nach unserer Ankunft in Veracruz laufen wir zu Fuß zu ihrem Büro. Wir hatten uns zwar per E-Mail bei der Agentin angekündigt, allerdings keinen konkreten Termin besprochen. So stehen wir einfach irgendwann nachmittags vor ihrer Tür und sie nimmt sich sehr viel Zeit, uns die verschiedenen Schritte in Ruhe zu erklären.

Unser Frachter verspätet sich, wir müssen also länger in Veracruz blieben

Eigentlich soll das Schiff mit unserem Van schon am nächsten Tag in Veracruz ankommen (also am Mittwoch). Leider schreibt uns die Agentin dann am Mittwoch, dass der Frachter zwei Tage Verspätung haben wird.

Wir ahnten es tatsächlich schon. Auf vesselfinder.com haben wir immer wieder gespannt die Position des Frachters gecheckt. Und als wir gesehen haben, dass das Schiff auch noch am Dienstag in Texas vor Anker liegt, war klar: Keine Chance, dass der Frachter es über Nacht von Texas nach Veracruz schafft. Aber irgendwann am Freitag soll der Frachter dann in Veracruz ankommen.

Wohnmobil nach Mexiko verschiffen Agentur
Unsere „Agentur“

Wir müssen also noch etwas länger in Veracruz bleiben und können nicht so schnell im eigenen Bettchen schlafen. Auf booking.com entdecken wir ein anderes nettes Hotel gleich die Straße hoch und ziehen um. Obwohl wir uns das Zimmer vorher haben zeigen lassen, ist schon nach der ersten Nacht klar: Nee, das Zimmer ist sehr hellhörig und das Hotel ziemlich laut (wir sind wohl noch die schönen ruhigen Nächte aus Schweden gewohnt!).

Plötzlich taucht der riesige weiß-rote Frachter am Horizont auf

Einen guten Aspekt hat der Hotelwechsel trotzdem: Wir sehen die Einfahrt des Frachters mit unserem Wohnmobil in den Hafen von Veracruz! Ganz zufällig stehen wir einfach zur richtigen Zeit auf der Dachterrasse und erspähen diesen riiiiesigen weiß-roten Frachter am Horizont.

Wohnmobil nach Mexiko verschiffen Polaris Highway
Irgendwo auf diesem roten Frachter, der Polaris Highway, ist unser Camper

Ist das unser Schiff?!“

„Ja klar, es gibt bestimmt nicht so viele rot-weiße Riesenfrachter, die heute in Veracruz anlegen“!

Es ist völlig unwirklich, wie sich dieses Riesending an den Häusern im Hafen vorbeischiebt. Und da drin ist irgendwo unser Camper und hat es wirklich über den großen Teich geschafft.

Der Frachter ist also da und wir würden am liebsten mit allen Dokumenten in den Hafen rennen und mit Berta rausfahren. Nun ja, es ist allerdings Freitag Nachmittag und das heißt: Es passiert erst mal gar nichts bis Montag. Wir vertreiben uns die Zeit damit, wieder in unser „altes“ Hotel zu ziehen, in dem es nachts angenehm ruhig war.

Wohnmobil nach Mexiko verschiffen: So lief es bei uns ab

Schritt 1: Bill of Landing erhalten

Am Montag schreibt uns die Agentin, dass sie die „Bill of Landing“ erhalten hat – also das Dokument, dass das Fahrzeug am Zielhafen ankam. Der erste Schritt ist also geschafft – Unser Camper ist wirklich in Mexiko angekommen.

Schritt 2: Temporäre Importbewilligung bei der Banjercito beantragen

Am darauffolgenden Tag sollen wir mit der Agentin zur „Banjercito“ fahren, um die Importbewilligung zu organisieren. Früh am Morgen gehen wir also wieder zu Fuß zur Agentin, sie lädt uns in ihr Auto ein und fährt uns zur Bank. Die Banjercito ist übrigens die Bank des Militärs. Dementsprechend sind auch die Geschütze in der Bank.

Die Agentin meint zu uns „Ach, die Schlange ist nicht lang, das wird nicht sehr lang dauern“. Wir müssen lachen, denn die Schlange Wartender geht inzwischen schon vom Eingang bis in die nächste Straße. Unsere Agentin läuft allerdings schnurstracks an der ganzen Schlange vorbei und wird von einem Mann vorne in der Schlange herangewunken, der scheinbar unser „Lawyer“  (=Anwalt) ist. Er hat alle unsere Papiere dabei und muss sich schon vor einer Ewigkeit hier angestellt haben. Unser Anwalt fragt, ob wir denn Spanisch sprechen, denn er spricht kein „ingles“ (=Englisch). Wir antworten mit Anna „un poco“ (= ein bisschen) und Anne eher ein „un poquito“ (= ein kleines bisschen).

Um Punkt 8:30 Uhr öffnen sich die Tore der Bank und einige Personen dürfen rein. Irgendwann ruft unser Anwalt der Einlass-Kontrolleurin etwas zu, was wie „importacion de vehiculo“ klingt. Wir werden heran gewunken und wollen beschwingt in die Bank. Aber no no! Nur der Fahrzeughalter darf die Bank betreten! Ay, ay, ay, das heißt Anne wird mit ihrem „poquito espagnol“ und mit dem nicht-englisch sprechenden Anwalt alles mit den nicht-englisch sprechenden Mitarbeitern der Bank klären. Zum Glück geht es nur um eine so alltägliche Sache wie einen temporären Fahrzeugimport – sollte klappen mit „poquito espagnol“. Anna muss draußen warten und kann sich alles durch die Glasfassade anschauen.

In der Bank muss Anne einige Dokumenten abgeben, Formulare unterschreiben und eine Gebühr bezahlen. Es wird auch gefragt, was sich denn so alles im Fahrzeug befindet. Jetzt ist nonverbale Kommunikation gefragt: Anne gibt pantomimisch zu verstehen, dass wir eine Küche an Bord haben, indem sie mit einem imaginären Kochlöffel in der Luft rührt. Und auch einen Wagenheber haben wir im Auto: Anne deutet in der Luft an, etwas hochzuheben. Zum Glück ist den Mitarbeitern der Bank das „internationale Zeichen“ für Wagenheber bekannt und dieser Punkt wird abgehakt. Bicicletas (= Fahrräder), Mikrowelle, Waschmaschine oder andere große Elektrogeräte haben wir nicht dabei. Ob die Inventar-Liste nun annähernd vollständig ist? Wir wissen es nicht. Aber Wagenheber und Küche sind auf jeden Fall auf der Liste.

Die Mitarbeiter der Bank, Anne und der Anwalt haben sich prächtig „verstanden“. Nach ca. 30 Minuten ist es geschafft und der Anwalt zeigt uns stolz, dass wir eine Importbewilligung für 10 Jahre für Berta erhalten haben. Wir sind wieder einen Schritt weiter.

Schritt 3: Zollabnahme im Hafen von Veracruz inkl. Drogenspürhund

Nun heißt es mal wieder warten. Und zwar auf den Zolltermin und darauf, dass sich der Drogenspürhund Zeit für unser Fahrzeug nimmt. Am Donnerstag dürfen wir wieder zur Agentur laufen und unser Anwalt nimmt uns heute mit zum Hafengelände. Er drückt uns die „permiso“ (so etwas wie eine Zutrittsgenehmigung zum Hafen) in die Hand und meint, dass wir zu Fuß durch die Kontrolle müssen. Er fährt mit dem Auto durch die Kontrolle und wird uns auf der anderen Seite wieder einsammeln. Der Zutritt zum Hafengelände ähnelt einer Kontrolle am Flughafen: „Permiso“ vorlegen, Taschenkontrolle, Bodyscanner, Pässe zeigen und dann ein freudestrahlendes „Ahh, Alemanas!“ zugerufen bekommen.

Unser Anwalt wartet auf uns und gemeinsam fahren wir über das Hafengelände zu dem Bereich, wo unsere Berta stehen soll.

Tatsache! Da steht sie, in voller Pracht!

Wohnmobil nach Mexiko verschiffen
Dahinten steht sie: Unsere Berta!

Und dann schauen wir zum ersten Mal ins Fahrzeug…

Bevor der Drogenspürhund antanzt, haben wir Gelegenheit, den Van zu öffnen und kurz hineinzuschauen. Tja, gar nicht so einfach. Der Riegel an der Schiebetür lässt sich nicht öffnen. Vor der Abfahrt war er schon ein bisschen hakelig. Wir hatten ihn zwar sehr gut gefettet, aber er möchte erstmal nicht aufspringen. Und dann sehen wir am ungewöhnlich großen Spaltmaß der Schiebetür, dass jemand versucht hat, die Türen zu öffnen. Deshalb ist der Riegel verkantet. Wir drücken die Schiebetür wieder zurück und taaadaa, das Schloss springt auf. An der Hecktür das gleiche Spiel: Auch hier hat jemand versucht, die Türen zu öffnen.

Auf den allerersten Blick sieht alles gut aus. Doch als wir einen genaueren Blick in den Innenraum werfen, fällt es uns auf: Hier sieht es etwas anders aus, als wir es hinterlassen haben. Es liegen Dinge auf dem Boden, die wir dort nicht abgelegt hatten. Und dann finden wir etwas Interessantes: Eine Checkliste von K-Line (dem Frachter), anhand der Crewmitglieder ihre Aufgaben abhaken können. Wie konnten diese Papiere nur in den „verschlossenen“ Teil unseres Wohnmobils kommen?!

Das Fahrzeug steht sowohl auf dem Schiff als auch im Hafen permanent unverschlossen da. Der Fahrzeugschlüssel liegt im Auto auf dem Armaturenbrett. Wir hatten aus diesem Grund vor der Verschiffung extra den Innenraum mit einer Holzwand vom Fahrerhaus abgetrennt. Doch leider wurde diese Wand irgendwie auseinandergenommen und dann fein säuberlich wieder geschlossen. Bei ihrem Rückzug haben die Einbrecher eine Schraube auf der falschen Seite der Holzwand angebracht und einige Späne am Boden liegen lassen. Einige Fächer sind durchwühlt. Es ist kaum zu erkennen aber klar: Jemand ist in unser Wohnmobil eingebrochen.

Wir sind natürlich sauer, dass jemand in unser Wohnmobil eingestiegen ist. Aber wir haben Glück im Unglück: Wir wurden nur um zwei Caps, einer Taucherbrille, Schnorchel, Fernglas, Ventilator, einem Pullover und zwei großen Messern erleichtert.

Auf der einen Seite sind wir super froh, dass Berta die Überfahrt so gut überstanden hat: Keine Delle, keine Macke, nichts ist am Fahrzeug beschädigt. Sie ist sofort angesprungen und auch sonst steht sie, auch nach so langer Zeit auf hoher See, prächtig da.

Der Drogenspürhund hat nichts an unserem Wohnmobil auszusetzen

Der Drogenspürhund hat übrigens nichts an unserem Wohnmobil oder den Inhalten auszusetzen. Wir mussten nur unsere Heckgarage ausräumen und sind auch hier nach ca. 30 Minuten fertig.

Wohnmobil nach Mexiko verschiffen Veracruz Zoll
Der Hund ist zufrieden mit unserem Camper

Schritt 4: Das Wohnmobil kommt in die Anlieferungszone in Veracruz

Das Auto muss auch nach der Zollkontrolle weiterhin unverschlossen im Hafen stehen bleiben. Wenn man das Auto nach der Zollkontrolle nämlich zuschließt – wie Anna das gemacht hat -, dann muss man am Nachmittag noch mal zum Hafen fahren, die Sicherheitskontrollen durchlaufen und das Auto wieder aufschließen, damit es genau 5 m nach vorne in die Delivery zone (=Anlieferungszone) gefahren werden kann – tested for you, you are welcome!

Nachdem der Zoll das Auto gecheckt hat, meint der Anwalt: „Entweder heute Nachmittag oder morgen könnt ihr euer Fahrzeug mitnehmen “.

Schritt 5: Das Wohnmobil aus dem Hafen fahren

Es wird der nächste Tag. Wir dürfen Berta um 10:30 Uhr abholen. Es ist schon fast eine kleine Gewohnheit: Wir laufen zur Agentur, der Anwalt nimmt uns im Auto mit, wir fahren zum Hafengelände. Dort durchlaufen wir die Sicherheitsschleusen, alle grüßen die „alemanas“ freundlich. Wir fahren zur Delivery Zone, die die sich wirklich nur 5 m weiter vorne befindet, als der vorherige Parkplatz für die Zollkontrolle.

Anne unterschreibt irgendwas, dann wird noch die Fahrgestellnummer verglichen – und wir sind „good to go“. Wir bedanken uns beim Anwalt, er fährt nach rechts und wir fahren nach links – in den Stau. Es warten nämlich extrem viele Lkws darauf, auch aus dem Hafen gelassen zu werden. Ungefähr 1 ½ Stunden stehen wir mit vielen mexikanischen Truckern in der brütenden Mittagshitze bis wir endlich zum ersten Kontrollposten rollen.

Wohnmobil nach Mexiko verschiffen
1 1/2 Stunden stehen wir im Hafen noch im Stau

Wo ist euer Sticker? Ihr braucht einen Sticker, um fahren zu dürfen!

Am ersten Kontrollhäuschen angekommen öffnet sich ein verspiegelter Schieber und eine Hand schießt heraus. Wir rufen „Buenas Dias“ und geben der Hand unseren ganzen Stapel Papiere. Dann passiert eine ganze Ewigkeit gar nichts. Schließlich kommt eine Dame aus dem Häuschen und fragt, ob wir Medikamente und Essen dabei haben. Ins Wohnmobil möchte sie auch noch mal schauen und ist sichtbar irritiert wegen unserer Holzwand. Wir verneinen Medikamente und Co. und die Dame verschwindet (anscheinend zufrieden mit den Antworten) wieder im Häuschen. Es passiert wieder nichts. Anne sagt „Das gefällt mir gar nicht, das dauert alles viel zu lange“. Und prompt erscheint eine andere Dame und fragt nach dem „selo“ (einem Sticker) für die Importbewilligung.

Dem bitte was? Was für ein Sticker? Wir haben leider keinen Sticker. In den Unterlagen ist auch nichts zu finden. Oh No – sind unsere Unterlagen unvollständig?

Anna hat einen Geistesblitz: Es GAB in Mexiko mal einen „selo“ für importierte Fahrzeuge, der dann an der Windschutzscheibe klebte. Aber diesen Sticker gibt es eigentlich nicht mehr. Dies versuchen wir der Zollbeamtin mit ein paar Brocken Spanisch zu erklären. Die Dame runzelt die Stirn und verschwindet wieder in ihrem Häuschen. Wir rufen unsere Agentin an: „They don’t let us go, we need a sticker to get out”. Die Agentin bestätigt allerdings unsere Annahme, dass dieser Sticker gar nicht mehr existiert. In diesem Moment wird ein Handy mit Google Translate aus dem verspiegelten Fenster gehalten: „Alles ist in Ordnung“, steht da auf Deutsch. Wir bekommen all unsere Papiere wieder zurück und dürfen fahren.

Wir bekommen grünes Licht und haben unser Wohnmobil erfolgreich nach Mexiko verschifft

Die finale Hürde aus dem Hafen ist ein letztes Kontrollhäuschen. Ebenfalls verspiegelte Scheiben und auch hier müssen alle Papiere erneut abgegeben werden. Hier hebt sich aber schon nach kurzer Zeit die Schranke und wir rollen ganz offiziell die ersten Meter auf mexikanischem Boden!

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5 Comments

  • Sean

    Wow ladies, what fun you have been having. My dad Tom has been fixing up his 2006 sprinter in Porltand, Oregon and you’ve inspired him with your travels.

    Cheers,

    Sean

  • Millie

    Mutige Mädels! Ich wundere mich, dass es sich lohnt, das eigene Fahrzeug aus
    Europa mitzubringen?! Wie teuer ist so ein Transport? Weiterhin gute Fahrt !

    • Anne und Anna

      Hey Millie!

      Danke dir 😉 Es lohnt sich ab einer gewissen Reisedauer. Wir haben für die Verschiffung unseres Sprinters knapp 3000 bezahlt. Die Kosten hängen vom Volumen des Fahrzeugs ab. Die Alternative wäre, vor Ort ein Fahrzeug zu kaufen. Aber wir wollten unser Fahrzeug kennen und es für die Reise entsprechend vorbereiten können. Daher kam für uns ein Kauf in der Ferne nicht in Frage.

      Vielen Dank und liebe Grüße,
      Anna & Anne

  • Beate

    Hallo Ihr Lieben,

    der blog-Beitrag ist mal wieder köstlich geschrieben – so unterhaltsam und informativ zugleich.
    Ich les es einfach supergern.
    Und wie Ihr diese Einreiseschritte alle gemeistert habt – Respekt!
    Jetzt schönes Weiterrollen durch Mexiko! Viel Spaß!

    Liebste Grüße!

    • Anne und Anna

      Hallo aus Mexiko,
      wie schön, das freut uns sehr! Ja die Verschiffung und Einreise war ein Abenteuer für sich, hat aber dann auch alles super geklappt 🙂
      Das machen wir – erstmal Richtung Dschungel und Meer 🙂
      Muchos saludos!

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