Organisation

Wir hängen in der Warteschleife

FAQs zu unseren letzten Reisetagen in Asien und zur „Weiterreise“

Vor gut fünf Wochen sind wir von Bangkok zurück nach München geflogen und schließlich wohlbehalten in Deutschland angekommen. Seit unserer Ankunft begleiten uns allerdings die Worte „eigentlich“, „hätten“, „würden“ und „wäre“ auf Schritt und Tritt.
„Eigentlich wäre“ unsere Wohnmobil bereits auf dem Schiff nach Halifax. „Eigentlich wären“ wir in zwei Wochen nach Kanada geflogen. „Hätte“ man uns vor einem Jahr gesagt, dass uns eine Pandemie einen Strich durch die Weltreise-Rechnung macht, wir „hätten“ es für absurd gehalten.

Uns erreichen viele Fragen, wie es nun um unsere Reise steht und inwiefern das Coronavirus unsere Pläne beeinflusst. Wir haben mal wieder ein fiktives Interview geführt, indem wir euch über unsere aktuelle Situation aufklären.


Was habt ihr in den letzten Tagen auf eurer Reise in Asien gemacht?

Anne: Nachdem wir die Insel Koh Chang verlassen haben, sind wir mit dem Minivan zurück nach Bangkok gefahren und haben dort die letzte Woche unserer Asien-Reise verbracht. Zuerst waren wir in einem „Zero Waste Bed and Breakfast“ und sind dann noch in ein super schickes & modernes Hotel mit Roof Top Pool umgezogen. Wir haben uns so ziemlich in den beiden Hotels verschanzt und sind eigentlich nur zum Essen rausgegangen. Einen Ausflug haben wir noch zum Wat Pho gemacht und damit den liegenden Buddha auf unserer Touri-Sightseeing Liste abgehakt. 

Unseren letzten Abend in Bangkok haben wir in der Roof Top Bar Above Elven ausklingen lassen

Warum habt ihr euch denn „verschanzt“?

Anna: Zum einen haben wir noch einiges für unsere weitere Reise recherchiert, z.B. welche Auslandskrankenversicherung für uns in Frage kommt. Wir sind auch den ganzen Papierkram zur Verschiffung genau durchgegangen und haben auch noch überlegt, welches weitere Equipment wir für den Van benötigen. Deswegen saßen wir oft im Bett, die Laptops auf dem Schoß und haben das Internet durchforstet bis die Tasten glühten oder die Augen müde wurden. 

Anne: Anders als in Deutschland war außerdem der Corona Virus ja in Thailand schon Anfang Januar präsent. Thailand ist ein sehr beliebtes Urlaubsland für Chinesen und es war auch gerade „Chinese New Year“ (DIE Urlaubszeit in China), als wir von Koh Phangan nach Chiang Mai gereist sind. Dementsprechend war auch viel los und es gab schon im Januar die ersten Corona Fälle in Thailand. Bis wir dann im März wieder in Bangkok waren, hatte sich ja Die Situation nicht gerade verbessert, deswegen wollten wir während unserer letzten Tage in Bangkok dann nicht mehr in großen Menschenmengen rumlaufen. Auch wenn wir gerne noch einmal auf den Chatuchak Market gegangen wären.

Wie habt ihr denn die Virus–Thematik in Thailand und Laos erlebt?

Anne: Ja, man hat schon Veränderungen gespürt, als die ersten Corona Fälle im Thailand auftraten. Wir haben zum Beispiel einen Unterschied in der Stimmung und im Verhalten der Menschen in Bangkok bei unserem Aufenthalt im Januar im Vergleich zu unserem Aufenthalt im März bemerkt: Obwohl Mundschutz tragen in Asien grundsätzlich sehr üblich ist, wegen der Luftverschmutzung, haben im März gefühlt noch mehr Personen Mundschutz getragen. An jeder U-Bahn Haltestelle, vor den Supermärkten, einfach überall stand Desinfektionsmittel. Als wir im Restaurant saßen, haben wir gesehen, dass jeder Stuhl sofort desinfiziert wurde, nachdem die Gäste gegangen sind. Fast jedes Geschäft hatte Schilder an den Türen hängen, auf denen stand: Masks sold out! Zu diesem Zeitpunkt war Deutschland ja noch in vergleichsweise geringer Alarmbereitschaft, was wir so aus Erzählungen mitbekommen haben. In Thailand war das da schon ein sehr ernstes Thema.

Anna: Wir haben versucht, uns nicht komplett einzuschränken und haben gleichzeitig einige Vorsichtsmaßnahmen getroffen: Relativ häufig gründliches Händewaschen und im Flugzeug und Minivan haben wir Masken getragen. Damit haben wir uns zwar komische Blicke von den anderen Touristen eingefangen und auch ein paar Fragen, aber das war uns ehrlich gesagt ziemlich egal.
Als wir damals mit unseren „Maßnahmen“ angefangen haben, wurde der Virus unter den Touristen noch als Grippe abgetan. Viele fanden es auch lange Zeit überflüssig, sich Masken aufzusetzen. Das fanden dann aber die Einheimischen verständlicherweise überhaupt nicht witzig. Ob Grippe oder nicht, wir wollten das einfach auf gar keinen Fall in Thailand oder Laos bekommen. Ein paar touristische Attraktionen sind deshalb sicherlich auf der Strecke geblieben. Auch haben wir uns entschieden, nicht mehr nach Kambodscha einzureisen, obwohl wir dies eigentlich vorhatten. Ich bin mir sicher, dass Angkor Wat aber auch noch ein paar Jahre auf uns warten kann.

Und habt ihr darüber nachgedacht, eure Asien–Reise abzubrechen?

Anne: Ja, in Laos dachten wir schon darüber nach, ob es nicht sicherer ist, nach Deutschland zurück zu fliegen. Durch die geographische Nähe zu China und den vielen chinesischen Touristen war klar, dass der Virus natürlich vor allem einen kurzen Weg in die angrenzenden Länder hat. Außerdem zeigte immer mehr Fälle, dass dieser Virus nicht harmlos ist. Wir haben während unserer Reise oft die Bangkok Post und andere ausländische Nachrichtensender verfolgt und so versucht, die aktuelle Lage im Blick zu behalten. Während Thailand sehr schnell einige Fälle diagnostizierte und schon ein Gesundheitsattest von Reisenden aus China verlangte, so hatte Laos zu diesem Zeitpunkt offiziell „keinen einzigen“ Corona–Fall (obwohl alle angrenzenden Länder bereits einige Fälle hatten). Natürlich ist die sehr gute (medizinische) Infrastruktur Thailands nicht mit der von Laos zu vergleichen. Aber wir waren zu diesem Zeitpunkt in Laos und haben schon ernsthaft überlegt, ob es nicht gefährlich ist, in einem Land weiterzureisen, dass Corona–Fälle (scheinbar) nicht entdeckt, damit keinen Überblick über der Verbreitung in der Bevölkerung hat und auch keinerlei Schutzmaßnahmen ergreifen kann.

Anna: Im Februar haben wir daher versucht, mit Lufthansa Kontakt aufzunehmen und zu klären, ob wir unsere Flugtickets auf ein früheres Datum umbuchen können. Wir sind dann letztlich aber doch mit unserem regulären Flug im März heimgekehrt (wir haben bis heute keine Antwort von der Fluggesellschaft bekommen). Die aktuelle Pandemie–Situation und die Rückholaktion für deutsche Staatsbürger aus vielen Ländern zeigt jetzt auch, dass wir nicht ganz Unrecht hatten mit unserem mulmigen Gefühl. Wir sind unglaublich froh, noch auf dem „letzten Drücker“ ohne große Rückholaktion nach Hause gekommen zu sein.

Gab es denn Kontrollen am Münchner Flughafen als ihr im März wieder in Deutschland gelandet seid?

Anna: Auf unserem Flug waren sehr viele Europäer. Gefühlt war fast jedes europäisches Land war vertreten, Spanier, Franzosen, Engländer etc. Viele trugen eine Gesichtsmaske während des ganzen Fluges bis zum Gepäckband am Münchner Flughafen. Wir hatten uns Sitze in der vorletzten Reihe, weit weg von den Toiletten reserviert, damit nicht zu viele Leute an uns vorbeimarschieren während des Flugs.

Anne: Als wir in München angekommen sind, gab es keinerlei Kontrollen. Null! Wir konnten einfach so aus dem Flugzeug steigen, unsere Koffer holen und fertig. Kein Fiebermessen, kein Check, keine Hinweise. Es gab lediglich eine Durchsage, dass man sich informieren sollte, welche Einreisebestimmungen aufgrund des Virus in den jeweiligen Ankunftsländern aktuell gelten würden. Alle Passagiere standen sowohl im Flugzeug, als auch am Gepäckband eng beieinander. Aus jetziger Sicht absurd! Als wir unsere Rucksäcke hatten, wurden wir dann von Annes Bruder nach Nürnberg gefahren, wo wir ein paar Tage verbracht haben.

Wie ging es dann weiter?

Anna: Ich hatte bereits ein Zugticket gebucht, um zu meinen Eltern nach Niedersachsen zu fahren. Die Fahrt war am 12. März und sie war ziemlich gespenstisch. Es wurde gar nicht im Zug gesprochen. Ein junger Mann hatte Husten und Schnupfen, ihm wurden ziemlich unsicher–böse Blicke zugeworfen. Ich war darauf vorbereitet, den Schaffner zu bitten, nicht mein Handy in die Hand zu nehmen, um das Ticket zu scannen. Allerdings hatte die Deutsche Bahn wohl schon reagiert und so wurde die Ticketkontrolle sehr schnell und kontaktlos durchgeführt.

Anne: Ich habe mir eine Bronchitis und eine Nasen-Nebenhöhlen Entzündung eingefangen. Nun liege ich flach und konnte leider deswegen nicht mit zu Annas Eltern fahren.

Also könnt ihr gerade nicht am gleichen Ort sein?

Anna: Ja leider. Anne ist noch in Franken bei ihren Eltern und kuriert sich ordentlich aus. Es ist ziemlich komisch, länger nicht zusammen zu sein, wenn man acht Wochen wirklich die ganze Zeit beieinander ist. 

Anne: Ich möchte niemanden von Annas Familie und vor allem nicht ihre Oma anstecken. Deshalb fahre ich erst zu ihr, wenn ich wieder fit bin. Wir bekommen die Entfernung aber auch ganz gut hin. Es ist ja nur auf Zeit bis es mir wieder richtig gut geht.

Die Frage aller Fragen: Wie geht es nun mit eurer Reise weiter?

Anne: Ja, das ist in der Tat eine gute Frage, auf welche wir noch gar keine Antwort haben. Die Grenzen sind zu, die Verschiffung storniert, die Flüge nach Kanada sind von der Airline storniert worden. Wir müssen abwarten, wie sich die Lage entwickelt. Wir wollen immer noch diese Reise machen, es ist nur die Frage, wann wir sie antreten können und wollen.

Anna: Sobald Anne wieder komplett fit ist und irgendwie klar wird, wie sich das Leben mit Corona entwickelt, können wir ein bisschen planen. Fakt ist, dass wir ein Wohnmobil haben und somit auch mobil sind, sobald man wieder mobil sein kann. Irgendwas werden wir schon machen. Mein Vater schwärmt ja vom Harz! Vielleicht fahren wir mal dorthin, wenn man wieder campen darf. Letztendlich sind wir ja auch autark, Social Distancing ist also kein Problem.

Bekommen wir denn noch die letzten Reiseabschnitte der Asientour im Blog präsentiert?

Anna: In den letzten Wochen hatten wir einfach keinen Kopf, die letzten Abschnitte aus Laos aufzuschreiben. Es fühlte sich so an, als wären einige Jahre Planung und Vorfreude zerplatzt. Im Moment können wir auch keine Ersatzpläne machen. Jahrelang haben wir von DIESEM Traum geträumt, es war unser Plan A, ohne dass wir uns vorher einen Pandemie-Ersatzplan überlegt hatten. Aktuell ist es eine emotionale Achterbahnfahrt.

Anne: In den nächsten Tagen und Wochen werden wir dies wohl nachholen. Der Blog ist auch eine sehr schöne Reiseerinnerung für uns. Wir hoffen ja auch, dass wir (irgendwann) in näherer Zukunft, dann doch auch von unseren Erlebnissen auf der Panamericana berichten können.

Strandidylle auf Koh Chang

Eine letzte Frage noch: Wie geht es denn Berta?

Anna: Ja, der geht es prima! Sie hat den Winter hervorragend im Trockenen überstanden und steht vollgetankt (wir haben Diesel gehamstert) in der Einfahrt bei meinen Eltern. Sie hat auch schon neue Sitzbezüge bekommen und wartet nun auf den nächsten Schritt in ihrer „Verjüngungskur“.

Anne: Wir haben jetzt wenigstens mehr Zeit uns zu überlegen, was wir genau noch verändern wollen. Ich freue mich auch sehr auf das „Schrauben“ unter Anleitung von Annas Papa. Und dann kann ich es kaum erwarten, mich wieder in den Fahrersitz zu schwingen, einen guten Kaffee in der Hand zu halten und mit Anna neben mir loszufahren!


Ein großer Dank geht an dieser Stelle an unsere grandiosen Familien, die uns mit offenen Armen aufgenommen haben und uns jetzt viel länger als geplant und ganz liebevoll beherbergen. Es ist ein unglaublich schönes Gefühl zu wissen, dass wir, egal was passiert, so wunderbare Zuhause haben.
Wir danken euch von Herzen!

3 Kommentare

  • die Schwaegerin

    Es tut mir furchtbar leid, dass eure Reise so unterbrochen und eure ganze sorgfaeltige Planung durch so viel Unsicherheit ersetzt wurde. Ich hoffe, ihr koennt euch bald wenigstens wieder treffen … und hoffentlich bald weiter reisen.

  • Eckart Grasse

    Hallo, ich habe von Herrn Anderson einen Hinweis auf Eure Website und Tour bekommen. Ich weiß jetzt nicht ob Ihr Ihn kennt. Herr Anderson ist zur Zeit in Südamerika mit einem CICADA unterwegs.
    Jetzt erstmal zu mir. Ich heiße Eckart Grasse und habe den CICADA entworfen und auch gebaut. Ich kenn mich also damit aus. Es freut mich sehr, dass Ihr auch einen fahrt. Wenn Ihr Fragen habt, Unterstützung, oder Hilfe braucht ruft mich einfach an.

    Eckart Grasse
    Mühlfeldstraße 5
    82256 Fürstenfeldbruck

    0176-62913584

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