Thailand

Wir entdecken das Kaffee–Mekka von Thailand, wo es niemand vermutet!

Oder: Brew what you love in your own backyard

Entgegen aller Empfehlungen entscheiden wir uns nach drei Tagen in Chiang Mai nicht für das Hippie Örtchen namens Pai. Wir entscheiden uns für Natur und fahren in den weniger touristischen Osten: Nach Chiang Dao. Dieser kleine Ort ist nur auf zwei überschaubaren Seiten im Reiseführer beschrieben, mit sehr wenigen Unterkünften, Sehenswürdigkeiten und Restaurant Tipps. Als wir nach 90 Minuten Busfahrt an der alten Busstation aussteigen, haben wir noch keine Ahnung, dass wir hier noch einen Reise–Geheimtipp und unser ganz persönliches Kaffee Paradies mit dem besten Kaffee Thailands finden werden.


Der Bus lässt uns an der Bushaltestelle heraus, wir satteln die Rucksäcke und laufen die staubige Hauptstraße im Entenmarsch entlang. Niemand ruft hier „Taxi, Taxi?“ Das erste Zeichen, dass der Tourismus hier noch nicht so sehr Einzug gehalten hat, wie in den größeren Städten Thailands. Im Chiang Dao Reset angekommen, ist erstmal niemand zu sehen. Plötzlich springt der Besitzer hinter der Frühstückstheke hervor und ruft „Anna?“ und lächelt freundlich. Er zeigt uns unser großes Bungalow und wir sehen in der Ferne den drittgrößten Berg von Thailand, den Chiang Dao Doi Luang (2.175m hoch). Einfach spektakulär!

Die Unterkunft haben wir nicht nur wegen der super guten Bewertungen ausgewählt. Die kleine Anlage hat nur 8 Bungalows, ein wunderschönes Bergpanorama und ist ziemlich neu und sehr gepflegt. Besonders der Kaffee zum Frühstück wurde in den Rezensionen gelobt. Das ist doch ein gutes Argument für uns! 

Zum Frühstück gibt es Cappuccino mit Bergpanorama

Und tatsächlich: Der Besitzer ist großer Kaffeeliebhaber und neben dem Frühstücksbuffet steht eine riesige Profi–Siebträgermaschine! Ganz nach unserem Geschmack! Zu jedem Frühstück bekommen wir einen grandiosen Cappuccino mit tollem Milchschaum serviert. Der Besitzer erzählt, dass die Bohnen aus Thailand kommen und zeigt auf das Bergmassiv. Bis jetzt wussten wir gar nicht, dass auch in Thailand Kaffee angebaut wird und dass dieser so gut schmeckt.

Der erste Eindruck von Chiang Dao täuscht

Da es im Reiseführer nur so wenige Informationen zu Chiang Dao gibt, recherchieren wir intensiv im Netz, was man in Chiang Dao machen kann. Anna fährt mit dem Finger die 8 Kilometer lange Hauptstraße und das Umland über Google Maps ab und informiert sich, was es hier so alles gibt. Wir werden fündig und setzen ein paar Marker auf unserer Karte: Wir können sagen, das waren absolute Volltreffer! Denn anschließend erkunden wir zwei wundervolle Tage lang die Gegend und erleben überraschende Entdeckungen und sehr nette Begegnungen zwischen Büschen, Äckern und grünen Plantagen. 


Das Café Kamp

Nach unserer Recherche ziehen wir mit Abendessen-Hunger entlang der Hauptstraße los, um etwas zu Essen zu finden. Wir laufen an ein paar Straßenküchen, ein paar Restaurants mit fragwürdigen Hygienestandard und an einem 7/11 Supermarkt vorbei.

Unsere Suche auf Google Maps ergibt ein Café in der Nähe, von dem wir uns eigentlich ein Stück Kuchen versprochen hatten. Bekommen haben wir allerdings den wohl besten Kaffee Thailands!

Es liegt etwas abseits der Hauptstraße. Fast alle Cafés finden wir in kleinen Nebenstrassen und die sind meistens staubig, steinig und das Wort „Straße“ ist ein Kompliment für den Zustand des Schotterweges.

Deswegen scheint auch das hippe Café Kamp ein wenig unwirklich an diesem verschlafenen Ort. Durch die Betonböden und –wände wirkt es schlicht–modern, etwas Holz, ein minimaler Schriftzug. Nebenan ist ein altes heruntergekommenes Bauernhaus. Wir schmunzeln über den Kontrast. Leider gibt es nur noch ein Stück Kuchen! Das spricht wohl für die Qualität der Kuchen. Der Cappucino kostet 40 Baht (ca. 1,20€). Auch am Preis merken wir, dass wir die Stadt verlassen haben. In Chiang Mai zahlt man das Doppelte.

Der Cappuccino wird mit einer „Presso ROK“, einer manuellen Espressomaschine, zubereitet und schmeckt außerordentlich gut. Er schmeckt stark und hat wenig Säure, genauso wie Anne ihn gerne trinkt. Sie gibt in Google Translate ein: „Der Kaffee schmeckt fabelhaft“ und zeigt die Thai–Schriftzeichen der Barista hinter der Theke. Sie freut sich sichtlich darüber. Anne fragt nach den Bohnen: „Arabica Pride of Thailand“, der Name passt zum Geschmack!

Jeder Kaffee in Chiang Dao war exzellent, aber der Kaffee im Café Kamp war mit Abstand der Beste! Ein Must–Try für alle, die abseits der normalen Touristenrouten den Geheimtipp Chiang Dao und den besten Kaffee Thailands entdecken wollen.


Das Hokhlong Café

Auf den Geschmack gekommen, testen wir gleich das nächste Café in Chiang Dao: Das Hokhlong Café in mitten eines wilden Gartens am Ortsausgang.

Wir müssen öfter auf die Karte schauen, um das Café zu finden, fast hätten wir aufgegeben und wären umgekehrt. Hier gibt es nur Sträucher und die Hauptstraße, wo soll denn da ein Café sein? „Doch da!“, sagt Anna. Ein Schriftzug auf einem Holzbrettchen weist uns den Weg Richtung Sträucher. Durch ein kleines bewachsenes Tor betreten wir den Urwald–Garten des Hokhlong Cafés. Eine Holzbude mit viel Deko und einer Profi–Kaffeemaschine verrät uns, dass wir hier ganz richtig sind. Hinter der Theke steht der Barista und begrüßt uns lächelnd, als hätte er schon die ganze Zeit auf uns gewartet.

Die Theke, die Hocker, die Tassen und die Teller, alles ist absolut einzigartig und künstlerisch gestaltet. Auf der Kreidetafel werden verschiedene Zubereitungsarten von Kaffee dargestellt und es duftet nach frischem Espresso. Der Barista erzählt, er nutzt Bohnen aus der Umgebung und röstet seinen Kaffee komplett selbst. Dies ist ein richtiger Wohlfühlort mit einer tollen Atmosphäre! Wenn wir hier wohnen würden, wären wir wohl jeden Tag da!

Wir nehmen einen Cappuccino, einen Matcha Latte, einen Passionfruit Cheesecake, der uns sehr empfohlen wird, und ein Maulbeer-Kuchen und verputzen diese Köstlichkeiten an einem der schiefen Tische im Dschungel-Garten.


Das Café My Day Off

“Gleich links, dann die Zweite rechts”, sagt Anna. Wir sitzen hintereinander auf einem Roller und Anne manövriert uns beide über die staubigen Straßen an den vielen Plantagen vorbei. Wir biegen rechts ab und finden ein kleines Haus zwischen Äckern und einer Eco-Rosen-Plantage. Ein Schildchen mit “Café My Day Off” verrät uns, dass wir hier richtig sind.

Es ist ein kleines Café, integriert in ein Wohnhaus mit einem riesigen Garten. Dieses Café sollte den Preis für die beste Aussicht gewinnen! Von der Holzbank im Garten sieht man den Chiang Dao Doi Luang in voller Pracht.

Namwan, eine junge Frau mit runder Brille, begrüßt uns sehr nett. Wir bestellen wie immer einen Cappuccino und sind überrascht: Namwan serviert uns schließlich einen Cappuccino mit wunderschöner und perfekter Latte Art. Anne fragt “Where did you learn Latte Art?“. Die Antwort überrascht uns noch mehr, denn die Barista sagt: “Youtube. I learned it by watching videos and used many milk packages”. Sie lacht und wir können darauf einfach nur “Wow, well done” sagen.

Wir kommen ins Gespräch und erfahren, dass sie das Café eröffnet haben, da ihnen hier bislang kein Kaffee so richtig gut geschmeckt hat: “So we decided, to make our own coffee, which we like!” Ihre Bohnen lassen sie in Chiang Mai rösten und verwenden für ihren Espresso eine Mischung aus einer Thai-Sorte (süß) und äthiopischen Bohnen (eher sauer): „Day Off Blends Thai – Chomthong Honey & Ethiopia Beans“.

Auch der Name des Cafés hat einen netten Hintergrund: Namwan und ihr Mann arbeiten eigentlich in Chiang Mai und sind nur am Wochenende hier in ihrem kürzlich gebauten Haus, inklusive Café. Deswegen ist das Café auch nur Samstags und Sonntags geöffnet, wenn die beiden eigentlich Wochenende haben – also an ihrem “Day off”. Wir haben riesiges Glück, dass wir ausgerechnet an einem Samstag vorbeikommen und einen wunderbaren Cappuccino und eine so nette Begegnung mit Namwan – hinter dem nächsten Acker rechts – finden.

Richtig verzückt von diesem Macher-Geist und der Liebe zum Kaffee, schwingen wir uns wieder auf den Roller und tuckern die Feldwege entlang zum nächsten Cappuccino.

Das Café My Day Off
Namwan zaubert uns einen wunderschönen Cappuccino und ihr Macher-Geist ist beeindruckend

Das Café Hippocampus

Die Sonne wird bald untergehen und wir geben etwas mehr Gas, denn wir möchten unbedingt noch zum Hippocampus Cafe! Wir verfahren uns etwas und müssen einige Male mit dem Roller umdrehen, weil wir die Ausfahrt verpasst haben. Kein Wunder – warum liegen denn hier alle Cafés hinter dem letzten Strauch verborgen?! Letztendlich sind wir wieder auf einem staubigen Schotterweg, nur Büsche links und rechts und dann taucht endlich ein Schild mit “Hippocampus” auf. Yes! Wir sind gleich da!

Wir treten durch eine Schneise in der Hecke in einen länglich angelegten Garten. Aussenrum stehen wenige kleine Hütten und in der Mitte waren wahrscheinlich einmal Gemüsebeete, weiter hinten schnattern Gänse und ein Hahn kräht. Im Garten stehen einige Tischchen und Stühle, als würde gleich eine kleine Gartenparty stattfinden.

In dem Steinhäuschen steht die Barista hinter der Theke, schaut aus einem kleinen Fenster und lächelt uns freundlich an. Haben die alle immer auf uns gewartet? Wir wissen es nicht, aber sind jetzt schon verzückt! Wir bestellen wieder einen Cappuccino und auf Anraten der Besitzerin nehmen wir auch noch ihren frisch gebackenen Apfelkuchen. Das war eine gute Entscheidung!

Das ganze Café ist liebevoll eingerichtet und außerdem eine kleine Wander-Ausstellung – alle vier Monate werden die Bilder an der Wand getauscht. Aktuell stellt ein befreundeter Künstler seine Bilderreihe mit dem Titel “Short Trips” aus.

Auch hier schmeckt der Kaffee sehr gut und die Atmosphäre wird nochmal ganz besonders, als die Sonne den Garten in das rote Abendlicht taucht. Die Besitzerin sagt, dass wir auch gerne ihren Gänsen “Hallo” sagen können und uns ein bisschen umschauen dürfen. Sie reicht uns außerdem ein kleines Büchlein mit einer illustrierten Geschichte über Victor, eine Gans. Es ist eine wahre Geschichte über ihre Gans Victor, die sie in diesem Garten groß gezogen haben. Es ist einfach unglaublich süß geschrieben und illustriert. Nachdem wir seine Geschichte gelesen haben, wollen wir ihm und seinen Kumpels natürlich auch “Hallo” sagen. Die Besitzerin meint, dass wir schnell herausfinden werden, wer Victor ist, denn er führt die Truppe an und beschützt sie. Es ist wirklich süß, wie viel Liebe und auch ein wenig Stolz in ihren Erzählungen über ihre Gänse mitschwingt.

Da für die Gänse-Truppe gerade Essenszeit ist, öffnet die Besitzerin das Gatter und Victor läuft als erster unter wildem Geschrei und geöffneten Flügen aus dem Gehege auf die große Wiese. Ja, es ist wirklich kaum zu übersehen, wer Victor ist.

Wir verabschieden uns, denn es wird langsam dunkel, und machen uns zufrieden auf den Heimweg.

Tisch und Stühle eines Cafés in Thailand
Sonnenuntergang mit Blick auf ein Café in Thailand

In jedem Café wurden wir herzlich empfangen und durften neben wunderbarem Kaffee auch ein wenig die Menschen hinter den Espressomaschinen und ihre Geschichten kennenlernen. Als wir später unseren Roller bei unserem Gastgeber abgeben, fragt er, wo wir gewesen sind. Wir schwärmen vom besten Kaffee Thailands und zählen ein Café nach dem anderen auf. Bei jedem sagt er “My friend!” und lacht. Wir antworten: “Yes, we visited all of your friends. And it was a pleasure”.

6 Kommentare

  • Sabine

    Ihr werdet ja noch zu Travelling Coffee Experts. Kaffee scheint wirklich ein Getränk zu werden, das man auch im letzten Winkel bekommt. Sehr schön geschrieben. Es macht Spass, dass wir euch so ein bisschen begleiten können. Danke, danke, danke.

    • Anne und Anna

      Es ist wirklich total spannend in den Ländern unterwegs zu sein, wo Kaffee angebaut wird. Zum ersten Mal standen wir in Laos vor einem Kaffeebaum mit roten Kaffeekirschen! Unser Kaffeewissensdurst ist groß und hoffentlich können wir noch mehr darüber erfahren. Wir nehmen euch natürlich mit! 🙂

  • die Schwägering

    Wie großartig! ich hatte auch noch nie von thailändischem Kaffee gehört, musste aber gleich mal schauen, ob man den irgendwo finden kann 🙂 Ich finde es immer traurig, dass man die besten Geschmackserlebnisse in winzig kleinen, selbstgemachten Läden hat, während große Ketten immer versuchen, alles überall so gleich und durchschnittlich zu machen wie möglich.
    Geht es nur mir so oder sind Käsekuchen und Apfelkuchen so ganz unerwartete Desserts in Thailand?

    • Anne und Anna

      Jetzt wo du es schreibst: Der Käsekuchen war in der Tat eine unerwartete Freude! Zu unserer großen Überraschung gibt es in Thailand und vor allem Laos einige Bäckereien und man findet dort leckere Küchlein – leider zu eher gehobenen Preisen, sodass wir uns nicht immer unseren Afternoon Cake leisten möchten.

  • Britta

    Ein Kaffee-Mekka……..da hat euch in der Nacht danach bestimmt das ❤️ geflackert, oder???????
    Uns hat die tolle Navigation durch Anna bei unserem letzten Köln-Besuch sehr gefehlt……ständig sind wir falsch ausgestiegen oder in die falsche Richtung gelaufen! 😁

    • Anne und Anna

      Tatsächlich haben wir an diesen beiden Tagen auf unserer “Coffee Tour” ziemlich viel Kaffee getrunken und danach erstmal eine “Kaffee-Pause” 😉 eingelegt. Aber wer kann denn bei diesem Kaffeeangebot widerstehen?
      Irgendwann navigiere ich euch wieder durch Köln, keine Sorge!

Leave a Reply

Your email address will not be published.