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Griechenland

Wildcampen im Lockdown – Funktioniert das?

Der Campingplatz war eine gute Lösung für die erste Zeit im Lockdown, aber auch eine kostspielige. Wir verlassen den Campingplatz und brauchen eine günstigere Option. In der Überwintern in Griechenland- Facebook Gruppe holen wir uns ein paar Ratschläge, wo wir mit unserem Camper vielleicht Unterschlupf für die weitere Lockdown-Zeit finden können. Warum wir uns letztlich für Wildcampen im Lockdown entschieden haben und ob das eine gute Entscheidung war, erfährst du in diesem Beitrag.


Über die Facebook Gruppe erhalten wir den Kontakt von einer Österreicherin. Es geht um einen privaten Stellplatz zwischen Olivenbäumen in Kato Samiko. Der Ort liegt nur 80 KM von Glyfa entfernt. Wir schreiben der Dame und vereinbaren, dass wir gerne vorbeikommen. Sie meint noch, dass wir jederzeit kommen können. Als wir schon am Ortsrand von Kato Samiko sind, erhalten wir die Nachricht. „Würde es euch auch morgen passen?“. Hat nicht so hingehauen mit: „Ihr könnt jederzeit kommen“. Es ist schon Nachmittag und so stehen wir im ersten Moment etwas verloren ohne Schlafplatz da. Zurück nach Glyfa auf den Campingplatz wollen wir aber auf keinen Fall fahren.

Sollen wir wirklich Wildcampen im Lockdown?

Für heute Nacht haben wir also keine andere Wahl, als wildzucampen. Auch wenn uns nicht ganz so wohl bei der Sache ist. Warum? Weil man ja eigentlich eh nicht freistehen darf und Wildcampen im Lockdown in Griechenland natürlich noch weniger gerne gesehen wird. Wenn man erwischt wird, kann das 300 Euro Strafe kosten.

Auf Park4Night (der Stellplatz App) ist aber Verlass. In der App finden wir nur 4 Kilometer entfernt einen Platz am Strand. Als wir uns dem Strand nähern, kommt uns ein deutsches Wohnmobil entgegen und grüßt freudig. Das erste Anzeichen, dass auch noch andere Leute während des Lockdowns in Griechenland wildcampen.

Das ungute Gefühl zum Wildcampen im Lockdown verschwindet etwas. Am Ende der Straße springt ein Hund auf und ab und eskortiert uns zu unserem Schlafplatz. Er freut sich sichtlich, dass wieder jemand da ist – die anderen Camper sind ja gerade weggefahren! In der Platzbeschreibung auf Park4Night steht, dass hier ein paar freundliche Streuner wohnen, die sich über Futter freuen. Und auch dieser arme Tropf ist wirklich hungrig und verschlingt alle Leckerlis in Windeseile.

Seitdem wir die kleinen Welpen aufgenommen und aufgepäppelt haben, ist unser Herz für Streuner ziemlich gewachsen. Es ist so traurig zu sehen, wie die Hunde bei Wind und Wetter draußen an der Kette gehalten werden und wie viele Streuner umherlaufen und nach Futter suchen. Deswegen haben wir nun ein paar Tüten Leckerlis, Trocken-und Nassfutter im Wohnmobil dabei.

Der Streuner hält für uns die Nachtwache

Dieser liebe Streuner dankt uns für das Futter, indem er uns die ganze Nacht bewacht. Er buddelt sich eine Kuhle neben unserem Wohnmobil und bellt jedes vorbeifahrende Auto an. Wir nennen ihn „Donut“, weil er sich so rund einkringelt. In dieser Nacht schlafen wir seelenruhig. Am nächsten Morgen bekommt zuerst Donut ein Frühstück – und er freut sich so herzerwärmend. Es tut richtig weh, ihn dort zurückzulassen. Aber er ist einfach riesengroß und wir können ihn unmöglich einpacken.

Donut ist sehr menschenbezogen, er kann auf keinen Fall schon immer ein Streuner sein. Er wurde sicherlich einfach ausgesetzt. Wie herzlos kann man denn sein? Wie kann man denn einen so lieben Hund einfach auf die Straße setzen und wegfahren? Wir sehen ein Bild von „Donut“  in einer Facebook-Gruppe mit der Frage, ob ihm jemand helfen könnte. Einige Kommentare machen Hoffnung. Und als wir eine Woche später nochmal an diesem Strand übernachten, ist Donut nicht mehr da. Er wurde wohl von einem Tierschützer gerettet.

Wildcampen im Lockdown

Zweiter Versuch: Campieren unterm Olivenbaum ja oder nein?

Nach der spontanen Nacht am Strand, starten wir den zweiten Versuch mit dem Olivenbaum-Platz bei der Österreicherin.  Wir schreiben ihr und können wieder „jederzeit kommen“. Nach dem Frühstück fahren wir die 10 Minuten zu der Adresse. Als wir ankommen, treffen wir…niemanden. Wir schreiben ihr nochmal und, wer hätte es gedacht: „Ja gerade sind wir weggefahren. Aber in 30 Minuten sind sie wieder da“. Also 30 griechische Minuten, also eher 1 Stunde. Wir haben ja keinen Stress und so haben wir Zeit, uns das Grundstück anzuschauen.

Wir grübeln, wo der Stellplatz wohl sein könnte. Es hat die ganze Woche geregnet und die Wiese und Wege sind ziemlich schlammig. Unser erster Eindruck ist so: Hmm okay...und unser Bauchgefühl sagt uns, dass wir hier eher nicht übernachten werden. Als die Besitzerin kommt, bestätigt sie unsere Stellplatz-Vermutung. Da würden wir mit unserer Berta aber ziemlich im Matsch versinken. Wir bedanken uns ganz herzlich für das Angebot, aber wir werden weiterziehen.

Wildcampen im Lockdown – das geht!

Diese erste Nacht Wildcampen im Lockdown hat uns gezeigt: Das geht schon! Es hat sich niemand für uns interessiert. Wir standen so diskret wie immer (okay, hat auch echt krass geregnet und niemand war unterwegs) und irgendwie werden wir das schon klappen. Außerdem genießen wir es einfach viel mehr, in der freien Natur zu stehen.


Tipps zum Thema Wildcampen & Wohnmobil Urlaub in Griechenland bekommst du in diesen Blog-Beiträgen


Das Wetter in der nächsten Woche soll super sein! Sonnenschein und 17 Grad. Wir wollen in die Berge. Es ist das perfekte Wanderwetter und ein bisschen Bewegung tut uns ganz gut. Wir lassen das Meer hinter uns und fahren bis auf 1000 Meter. In den Bergen zeigt sich eine großartige Landschaft. Anne fährt extra langsam und wir genießen den Ausblick in die Täler und über die Ebenen. Aus der Entfernung ist das Meer fast noch schöner. Und hier oben kommen wir bei diesem Ausblick einfach nur ins Staunen. Wir fahren durch kleine fast menschenleere Ortschaften und freuen uns, wieder ein neues schönes Fleckchen auf dieser Erde entdeckt zu haben.

Wildcampen im Lockdown Griechenland

So schön es hier oben in den Bergen auch ist, die Stellplatz-Suche scheint verhext. Es gibt sehr wenige Möglichkeiten und diese sind entweder unmittelbar an der Straße oder direkt in Ortschaften. Da könnten Wohnmobile nicht so gerne gesehen sein. Leider schlägt uns Google Maps auch nicht die besten Wege für ein Wohnmobil vor und so muss Anne unsere Berta auf einem sehr schmalen Weg wenden, weil vor uns nur noch Schlaglöcher und Schlamm kommen würden.

Die Sonne geht langsam unter – aber hier an der Straße wollen wir nicht über Nacht bleiben

Ein Hund beißt uns in den Reifen!

Auf der Suche nach einem Schlafplatz schießt plötzlich ein großer griechischer Schäferhund um die Ecke. Er ist sichtlich unbeeindruckt von unserem Auto. Im Gepäck hat er noch zwei seiner Kumpels, die links und rechts neben unserem Wohnmobil herjagen. Es macht rumps und einer der Hund beißt uns doch tatsächlich in den Vorderreifen – während der Fahrt! Ganz schön mutig! Das zeigt uns auch wieder, dass mit wilden Hunde hier oben in den Bergen nicht zu spaßen ist! Zum Glück ist dem Hund und dem Reifen nichts passiert. Auch an einer anderen Stelle treffen wir auf ein paar Hunde, die es geschafft haben ihren Zaun zu verlassen und auch nicht besonders erfreut sind, uns zu sehen. Zum Glück sitzen wir in dem Moment gut geschützt in der Berta.

Wildcampen heißt auch, auf der Suche nach einem Schlafplatz zu sein

Die Sonne geht bald unter und wir suchen noch immer nach einem Stellplatz für die Nacht. Wir fahren die Bergstraßen hoch und runter und bleiben irgendwann einfach auf einem Museumsparkplatz stehen, als es schon dunkel ist. Die Nacht war dann vorallem eins: Ruhig! Das permanente Meeresrauschen ist weg. Hier oben in den Bergen herrscht einfach nur Stille. Ab und zu kräht ein Hahn.

Am nächsten Tag zeigt sich: Gar keine schlechte Platzwahl. Wir stehen nämlich auf dem Parkplatz des Wasserkraftmuseums in Dimitsana, welches wegen des Lockdowns aktuell geschlossen hat. Somit ist der Parkplatz komplett leer und etwas verwinkelt, so dass wir nicht von der Straße zu sehen sind. Der Ausblick in das Tal ist wahnsinnig schön!

Die Fahrräder kommen nun wieder zum Einsatz. Wir versuchen mit den Rädern nach Zigovisti zu kommen. Auf dem Weg liegt eine kleine Kapelle mit einem Ausblick, der zeigt: Die Welt ist wunderschön. Als wir auf dem Weg einen sehr löchrigen Zaun sehen, drehen wir allerdings um. Eine Begegnung mit Hütehunden wollen wir heute vermeiden.


Wie verhältst du dich richtig, wenn du einem wilden Hund begegnest?

  • Langsam seitlich wegbewegen
  • Dem Hund nicht in die Augen schauen
  • Keine schnellen Bewegungen machen und nicht mit den Armen rumfuchteln
  • Hundefutter griffbereit haben und in eine andere Richtung werfen
  • Zur Not: Pfefferspray einsetzen

Die Fahrradtour haben wir also etwas früher beendet. Dafür packen wir die Wanderschuhe aus und wollen den restlichen Tag die Wanderwege erkunden.

Zufällig sind wir auch am Ausgangspunkt der Menalon Wanderwege gelandet. Die Menalon Wanderwege erfreuen sich im Sommer großer Beliebtheit. Vor allem weil es in den Bergen dann nicht so erdrückend heiß sein soll, wie unten an der Küste.

Wir packen also unseren Rucksack mit Proviant, Pfefferspray und jeder bekommt eine Wildhund-Leckerli Tüte für die Hosentasche.

Der Wanderweg ist zu unserer großen Überraschung sehr gut ausgeschildert. Das sind ja Schweizer Jakobsweg-Verhältnisse!

Der Menalon Trail erinnert sehr an die Malerwege in der sächsischen Schweiz: Es geht bergab, entlang eines Flusses und einiger kleiner Wasserfälle. Das Wetter ist herrlich und das im Dezember!

Wildcampen im Lockdown
An jeder Ecke auf dem Menalon Wanderweg findet man Wegweiser wie hier rechts zu sehen

Schon wieder springt ein Hund um die Ecke!

Als Anne um eine Ecke biegt, sieht sie am Ende des Weges einen Hund auf uns zu rennen. Wir haben ihn schon von Weitem bellen hören, konnten ihn aber nicht richtig orten. Entgegen aller Verhaltensempfehlungen ruft Anne: „LAUF!“ Wir hechten um die Ecke zurück, damit er uns nicht mehr sieht und joggen noch ein gutes Stück des Weges wieder zurück. Das Bellen verfolgt uns und Anne verstreut ein paar Leckerlis auf dem Weg. Als wir das Bellen nicht mehr hören, müssen wir erstmal kräftig verschnaufen. Puh! Wir sind entkommen! Vielleicht wollte er auch nur nett grüßen, aber das wollen wir nicht unbedingt ausprobieren.

Noch ein paar Nächte verbringen wir in den Bergen. Die Luft ist so klar, das Licht und die Weite atemberaubend und diese Ruhe. Erst hier merken wir, dass wir konstant von Geräuschen umgeben sind.

Langsam schlängeln wir uns wieder Richtung Meer

Wildcampen in Griechenland

Leider geht uns ein bisschen das Benzin aus, denn es gibt hier oben kaum Tankstellen. Gerne wären wir hier noch ein paar Tage geblieben, aber auch die schwierige Stellplatzsuche zwingt uns zum Abstieg. Wir schlängeln uns über atemberaubende Straßen wieder hinunter und landen wieder in Kato Samiko, wo wir zwei Nächte am Donut-Strand verbringen. Per Zufall entdecken wir einen freien WLAN-Zugang von der Stadtverwaltung. Außerdem finden wir eine sehr gute Wasserquelle und einen Stellplatz, wo fast niemand vorbeikommt. Also bietet die Region eigentlich alles, was wir im Moment so brauchen. Außer natürlich die Freiheit, Griechenland weiter zu entdecken.

So stehen wir jetzt an einem ruhigen Strandabschnitt, hinter eine Düne und genießen das Wildcampen im Lockdown. Gehen spazieren, schauen Netflix, backen Kuchen und Brot. Und senden viele Wünsche ins Universum, dass am 7. Januar der Lockdown ein Ende finden wird und wir endlich wieder neue Ecken von Griechenland entdecken dürfen.

2 Comments

  • die Schwaegerin

    Wahnsinn, wie aus allem ein Abenteuer werden kann, aber schoen, dass ihr trotz der ganzen Hindernisse trotzdem so viel Spass habt!

    Und ich schliesse mich an: tolle Ausblicke! 🙂

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