Laos

Von Chiang Mai in Thailand auf das Mekong Slowboat in Laos

Während unserer Tour von Chiang Mai (Thailand) nach Laos haben wir neben den harten Fakten zum Grenzübertritt Thailand – Laos auch noch vieles mehr erlebt, unter anderem mit einigen anderen Travellern auf der Route. Wie wir die Anreise nach Laos zeitlich geregelt haben und wen wir alles auf unterwegs getroffen haben, davon möchten wir euch hier in der Live-Ticker-Kurzgeschichte gerne erzählen.

Da wir keine Fotos gemacht haben, wurde dieser Teil zur Veranschaulichung liebevoll von Anna illustriert.


4. Februar 2020 / 09:00 – 18:00 Uhr

Als wir im Januar Bangkok landeten, wurde ein Datum in unsere Pässe hinein gestempelt, an dem wir auf jeden Fall aus Thailand raus müssen. Wir wollen auf Nummer sicher gehen und bereits ein paar Tage vor Ablauf ausreisen. Auf unseren ausgedruckten Bustickets von Chiang Mai nach Chiang Khong (der Grenzstadt vor Laos) steht „Express-Bus“. Ungefähr 6 Stunden soll der Bus brauchen für die ca. 300 Km lange Strecke.

(Spoiler: War natürlich nicht so, wir haben 8,5 Stunden gebraucht!)

An der Bushaltestelle in Chiang Mai warten bereits andere Backpacker, darunter ein Deutscher, mit einem „Homo Faber“ Buch in der Hand, der sehr gesellig zu sein scheint und alle fragt, ob sie nach Laos wollen. Eine blonde Irin, die alleine reist und irgendwie sehr gestresst wirkt. Ein stilles schwarz gekleidetes französisches Pärchen, welches sich das Backpacker Geschehen auch mit etwas Abstand anschaut. Der Bus hat Verspätung! „30 min delay“ wird auf ein Whiteboard geschrieben, damit alle Bescheid wissen. Nach nur 20 Minuten Verspätung kommt der Bus dann aber doch und packt die ganze Truppe ein.

Die Straße zwischen Chiang Mai und Chiang Rai wird gerade neu gebaut und es gibt eine ewig lange Baustelle mit Schotterpisten und Schlaglöchern. Der Bus braust über alles hinweg, als gäbe es kein Morgen mehr. Was uns keiner vorher sagte: Dieser „Express Bus“ fungiert auch gleichzeitig als Hop-On-Hop-Off Bus und als LKW. Dementsprechend oft hält er auf der Strecke an, unter anderem um Leute rein- oder rauszulassen, um Pakete abzuliefern oder damit sich der Busfahrer etwas zu essen kaufen kann. Der Bus ist also nicht ganz so „expressig“, wie er vorgibt.

Ankunft und ein zu scharfes Abendessen in Chiang Khong

4. Februar 2020 / 18:00 Uhr

Die Irin platzt direkt aus dem Bus, als dieser die Türen öffnet und läuft in Rekordtempo mit ihrem großen Backpack in Richtung Stadt. Der Deutsche Homo Faber hat auch schon seine Übernachtungsmöglichkeit gebucht, genau in dem Hotel, welches wir aus irgendeinem Grund dann doch nicht mehr gebucht hatten. Ein paar andere Mitfahrer haben sich wohl nicht um eine Unterkunft gekümmert, aber alle laufen in die gleiche Richtung und werden schon etwas für eine Nacht finden. An der Hotel Rezeption angekommen, sehen wir: Die Irin hat sich für das gleiche Hotel entschieden. Sie checkt schon ein und sagt „Constance“ zur Hotelmanagerin. Nun hat die eilige Irin einen Namen.  

Nach einem viel zu scharfen Curry und leckeren Spring Rolls wollten wir eigentlich noch an das Mekongufer und schon mal nach Laos rüberwinken. Irgendwie kommt man aber nur durch dunkle Gassen zum Mekong Ufer. Das lassen wir bleiben und so begrüßen wir Laos erst am nächsten Morgen.

Im 7/11 Supermarkt decken wir uns noch mit Snacks für die anstehende 7-stündige Slow Boat Fahrt nach dem Grenzübergang ein. Wir tigern durch die Regale und versuchen irgendetwas Essbares und Nahrbares (in der Kombination sehr schwierig) zu finden. In den meisten Dingen ist Fleisch, Meeresfrüchte oder irgendwas Unverständliches drin. Das „Vegetarischste“ hier im 7/11 ist mit Algen oder super süß. Letztendlich entscheiden wir uns wieder für unser geliebtes Schoko-Brot, Cracker und den „Euro Cake“ (Süße Küchlein mit Schokofüllung), etwas zum Frühstücken und 3 Liter Wasser. Es wird ein Festmahl!

Einmal zur Grenze bitte! Danke!

5. Februar 2020 / 06:30 Uhr

Der Wecker klingelt! Langsam stehen wir auf und gehen noch kurz duschen. Wir frühstücken auf dem Zimmer, denn wir haben kein Frühstück gebucht. Anne futtert ein Toast mit Marmelade und Anna einen griechischen Joghurt mit Müsli. Das klingt toller, als es war! Dazu Pulver-Nescafé mit Kaffee-Weißer (Gibt es hier überall als Standard-Kaffee, außer in Chiang Dao)! Mittlerweile mögen wir die schwarzen Kaffee-Brösel und das Milchpulver sogar ganz gerne.

07:15 Uhr

Anne eilt zur Hotelmanagerin und meldet an, dass wir ein Taxi zu Grenze brauchen. Das Taxi kostet pro Person 60 Baht (2 Euro). Wir würden gerne um 8:00 losfahren – „No Problem“ sagt sie. Man braucht ca. 10 Minuten bis zur Grenze und muss dann die thailändische und laotische Grenze passieren bevor man zum Pier und den Slow Boats kommt. Um 11:00 Uhr fährt das Slow Boat ab, das wollen wir unbedingt erwischen. Denn wir haben keine guten Unterkünfte in Huay Xai gefunden und wollen es deshalb vermeiden, das Boot zu verpassen und dann dort übernachten zu müssen.

Unsere Reisegruppe ist kunterbunt gemischt…

…bis auf die Franzosen, die tragen komplett schwarz

08:00 Uhr

Vor der Hotel Rezeption warten schon andere Reisende, darunter auch Constance, die Irin, und die beiden komplett schwarz gekleideten Franzosen. Auch eine kleine norwegische Familie mit Mama, Papa und blondem Kleinkind sind dabei. Unser Taxi ist ein Pick-up, das uns alle mit Sack und Pack auf der Ladefläche mitnimmt. Kurz bevor wir um 8:15 Uhr abfahren (soviel zu „Abfahrt um 8 Uhr – no problem“), eilen noch eine deutsche Frau und ein deutscher junger Mann mit Flaumbart zum Pick up – Ihren Toast kauen sie noch, während wir schon fahren.

08:30 Uhr

Wir schultern unsere Rucksäcke und laufen in die Halle der thailändischen Grenze. Warum stehen da so viele Reisende und füllen etwas aus? Ah, die haben ihre Departure Card verloren! Wir haben sie noch und gehen deswegen direkt zum Schalter mit den Grenzbeamten. Jetzt beginnt das Spiel: Welche Schlange ist schneller? Wir haben keine Ahnung und reihen uns ein.

Vor uns stehen die zwei schnell-frühstückenden Deutschen. Sie öffnet seinen Pass und sagt „Ey, bist du adlig oder was?“ und liest seine vier Vornamen Friedrich, Alexander, Justus, Ludwig* laut vor.  „Du bist erst 19 Jahre alt? Boah, krass!“ sagt sie und lacht etwas unsicher, mit wem sie da in den letzten Tagen wohl angebandelt hat.

Er wird ein bisschen rot und nimmt ihren Pass: „Spricht man deinen Vornamen mit dsch wie Dschungel aus?** Ach und du bist 1994 geboren? Okaay..“ In der weiteren wirklich ziemlich lauten Unterhaltung, bekommen wir mit, dass sich die beiden ein Zimmer geteilt haben, sich wohl offensichtlich nicht kennen und gerade beim Anstehen an der Grenze geklärt haben, wie sie heißen und wie alt sie sind.

Uns reicht diese kurze Szene aus: Per Telepathie verständigen wir uns, dass wir eher Abstand von diesen beiden suchen, um eine entspannte Slow Boat Fahrt zu haben.

Rausgestempelt und weiter geht’s!

09:00 Uhr

In unsere Pässen ist der Ausreisestempel reingehämmert – wir haben Thailand offiziell verlassen! Nun geht es mit dem Bus über die Friendship Bridge. Homo Faber und die Norweger sind auch wieder da, genauso wie Constance, die Irin.

Die wichtigsten Infos zum Grenzübertritt Thailand Laos haben wir ► hier ganz genau beschrieben!

Zettelchaos und viel Geduld an der laotischen Grenze

09:10 Uhr

Als alle wieder aus dem Bus ausgestiegen sind, bricht etwas Chaos aus. Keiner hat eine Ahnung, wohin man genau gehen soll. Die drei Chinesen werden rausgefischt zum Fieber messen. Der Rest verteilt sich auf: Geld holen oder Formulare ausfüllen.

Wir wählen „Formulare ausfüllen“ und suchen die weißen Zettel. Wir finden welche mit „Visa on arrival“. Diesen füllen wir an einem der hohen Tische in der Nähe des Fenster 1 aus und stellen uns dann im Reißverschlussverfahren an. Vor uns sind die Norweger. Ihr kleines hellblondes Kind ist erstaunlich geduldig und zieht viele Blicke auf sich.

Dann bemerken wir, dass ja alle noch einen anderen länglichen Zettel haben – was ist das für ein Zettel? Anna fragt Homo Faber und er sagt, dass er es von seinem Tourguide bekommen hat, bei dem er den ganzen Grenzübertritt mit Slow Boat schon in Thailand im Hotel gebucht hat. Hätten wir das gemacht, hätten wir locker 30 Euro mehr gezahlt – Dafür hätten wir jetzt aber auch diesen Zettel.

Anne stiefelt los, fragt sich durch und sucht den Zettel. Diejenigen, die ihn nicht haben, suchen auch verzweifelt. In einem blauen Körbchen neben Fenster 1 sollen sie liegen, dort sind aber nur die Visa on Arrival Formulare. Wir sind etwas ahnungslos: WO SIND DIESE ZETTEL? Die Zeit sitzt uns im Nacken, die Schlange wird immer länger! Anne hat einen Geistesblitz und fragt einen der Tourguides. Er gibt uns netterweise zwei Einreise-und Ausreiseformulare! Check!

09:45 Uhr

Weiter vor uns in der Schlange sind noch der Adlige Christoph-Alexander- Julius-Friedrich* und Berlin** – sie haben vor lauter schmachten nicht mitbekommen, dass man zwei Zettel braucht. Als sie am Fenster 1 stehen, fehlt ihnen dann natürlich das Formular und sie müssen aus der Schlange raus, um es noch nachträglich auszufüllen. Die Norweger wirken auch nicht so gut vorbereitet, in der Schlange fällt ihnen auf: „Oh, ok we need pictures“. Als sie dran sind treten sie vor und irgendwas stimmt nicht: Sie müssen irgendwie noch ein paar thailändische Baht aus ihrer Tasche fischen (vielleicht für fehlende Fotos?) und können dann aber doch weiter zu Fenster 2.

Als wir das Fenster 1 erreichen, lächeln wir freundlich und begrüßen den Grenzbeamten. Er steht daraufhin auf und geht. Wir warten also in einer ewigen Schlange und als wir endlich dran sind, steht der einzige Visa-Beamte auf und geht. Na gut also nochmal warten, wird schon eine Vertretung demnächst kommen. Im Supermarkt in Deutschland hätte man schon längst gehört „Erika – Fenster 1“.

Ein paar Minuten später kommt er schließlich wieder und nimmt unsere Reisepässe plus Fotos plus ausgefüllte Zettel, macht nochmal ein Foto von uns und schickt uns weiter zu Fenster 2. Hinter dem Fenster 1 und 2 ist eine kleine Pass-Manufaktur: Die Pässe kommen von einem Körbchen in das nächste und per Handarbeit werden die Visa-Kleber in die Pässe geklebt.

Am Fenster 2 bekommen wir unseren Pass mit Visum und QR Code. Ja, wo soll man den denn jetzt vorzeigen?

Wir sind Millionäre!

Wir holen jetzt erstmal Geld und werden zu Millionären! Zum ersten Mal drücken wir auf 1.000.000! Was für ein tolles Gefühl. Okay, umgerechnet sind es 100 Euro, die wir abheben.

An einem weiteren Büdchen zeigen wir die Pässe mit Visa und werden durchgenickt. Erst am letzten Büdchen mit Fenster zeigen wir den QR Code und bezahlen mit einem 50 und 10 Dollar Schein. Die Scheine werden unter die Lupe genommen, gegen das Licht gehalten und befühlt. Alles ist okay und wir laufen durch ein Drehkreuz auf laotischen Boden! Juché!

10:00 Uhr

Mit dem Tuk Tuk soll es zum Pier gehen und kurz bevor wir die Tickets kaufen, spricht uns nun der Tourguide von vorhin an: Die öffentlichen Tuk Tuks würden nur mit 8 Leuten losfahren. Wir würden ja ewig brauchen bis die voll sind! Wir könnten bei ihm jetzt Tickets kaufen und wären damit schneller am Pier. Wir lehnen ab und lassen es drauf ankommen.

Für 20.000 KIP (2 €) pro Person bekommen wir ein Ticket am offiziellen Schalter, welches wir sofort wieder an einen Tuk Tuk Fahrer abgeben. Wir nehmen Platz und nur wenige Augenblicke später kommt ein weiterer Fahrgast hinzu und wir brausen los: Alles richtig gemacht!
Auf Google Maps verfolgt Anna unsere Route. Angeblich ist der Pier nun in der Mitte und nicht mehr im Norden. So ist es tatsächlich und schon nach 15 Minuten kommen wir am Pier an, wo ein Lastwagen im Graben liegt und gerade 5 junge Männer versuchen, ihn per Hand aus dem Graben zu schieben.

Am Bootsanleger kaufen wir unsere Tickets für 200.000 KIP (20 Euro) pro Person für die 2 tägige Fahrt bis nach Luang Prabang – das ist sogar nochmal günstiger als wir es im Reiseführer gelesen haben. Man muss sich dann noch in eine Liste eintragen und bekommt ein Ticket mit Sitzplatznummer.

In vielen Berichten zum Slow Boat steht, dass man sich wenn möglich vorne oder in die Mitte des Slow Boats setzen sollte, weil hinten der laute Motor ist und dort laotische Partyvölkchen manchmal ihr Unwesen treiben. Auf unseren Tickets steht Platznummer 100 & 101. Das ist leider im letzten Drittel des Bootes. Wir hoffen einfach, dass die Party-Crew heute zu Hause bleibt.

Das ist aber auch verwirrend mit diesen vielen 000 auf den Banknoten!

10:30 Uhr

Am Bootsanleger gibt es ein paar Stände mit Früchten und Baguettes. Wir wollen noch Bananen kaufen und die Frau sagt 5000 KIP (50 Cent). Das laotische Geld ist gewöhnungsbedürftig und hat so viele Nullen. Anna gibt einen Schein mit einer 5 und ein paar 0. Erst auf dem Boot bemerken wir, dass wir 5 Euro (50.000 KIP) anstatt 50 Cent (5000 KIP) gezahlt haben. Ups. Eine Null übersehen.

Auf den ausrangierten Autositzen (!) liegen kleine Zettelchen mit Nummern. Wir laufen durch die Reihen und finden unsere Nummern in einer Viererreihe mit einem Platz am Gang. Joa, ist ok. In der Reihe hinter uns ist ein Laote, der irgendwie fies nach Party aussieht. „Okay, was machen wir?“. Anne fällt auf, dass manche Leute die Zettelchen tauschen. Anna ist zwar etwas unwohl, aber schwupps – Zettel getauscht – und so sitzen wir ein paar Minuten später etwas weiter vorne in einer entspannten 2-er Reihe.

Alles selbst organisiert und trotzdem schneller!

10:45 Uhr

Die organisierten Gruppen mit den Guides treffen ein und müssen sich auf die Plätze setzen, die noch frei sind! Wir freuen uns, dass wir keine teure Tour gebucht haben und damit auch noch vor den großen Gruppen das Boot entern konnten.

Irgendwann trudeln auch der Adlige und Berlin, Homo Faber, Constance, die norwegische Familie samt Kind sowie die schwarz gekleideten Franzosen ein. Alle haben es geschafft!

11:30 Uhr

Das Boot legt ab!

Wir sind kaputt aber glücklich, dass wir es geschafft haben! Schiff ahoi!


* Oder so ähnlich
** Aufgrund der DSGVO wird der Name nicht veröffentlicht! Sie wird im Bericht daher einfach „Berlin“ genannt.

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