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Laos

Vang Vieng – Schlimmer Ruf und schöne Realität

Der kurze Absatz im Reiseführer über Vang Vieng macht uns richtig Lust auf die Stadt: Dreckig, laute Techno Parties, viel Alkohol. Klingt total verlockend, oder?
Uns reizt die Gegend trotzdem, vor allem wegen der Natur: Vang Vieng liegt nämlich wunderschön am Nam Song Fluss und ist von beeindruckenden Karstbergen umgeben. Als wir ankommen, sehen wir, dass die schöne Kulisse allerdings wirklich nur die eine Seite der Medaille ist: Entlang des Nam Song Flusses sieht man heute noch viele verlassene Techno-Bars und die Stadt wirkt, als erholt sie sich gerade langsam von einem heftigen Kater.


Es gibt zwei Straßen, um von Luang Prabang nach Vang Vieng zu kommen: Die alte und die neue Straße. Die neue Straße ist nur für Minivans (15 Sitzer) geeignet und man benötigt ca. vier Stunden. Die alte Straße ist für die bequemen VIP-Busse (also große Reisebusse) und man braucht 6 Stunden. Angeblich fahren aktuell keine VIP Busse und der Minivan war die einzige buchbare Möglichkeit.

Als wir abgeholt werden, haben wir noch die freie Platzwahl – ein Glück, wie wir später feststellen! Ungefähr eine halbe Stunde fahren wir von Hotel zu Hotel und sammeln weitere Passagiere samt deren Gepäck ein. Mit 13 anderen Personen sitzen wir wie die Sardinien in der Dose in unserem Minivan. Die Koffer, Taschen und Rucksäcke liegen auch noch unter, neben und über uns. Unsere 1,65cm ermöglichen uns immerhin, normal zu sitzen. Den langen Jungs ergeht es hier im Auto wesentlich schlechter. Als wir komplett voll sind, aber „theoretisch“ noch zwei Sitzplätze frei sind, fahren wir zum letzten Hotel. Die wartenden Passagiere lehnen die Sardinendosen-Fahrt ab und warten auf einen der nächsten Minivans.

Auf der neuen Straße fahren wir in Richtung Vang Vieng

Als wirklich nichts und niemand mehr ins Auto passt, fahren wir los auf die neue Straße. Wir merken schnell, dass der Name eher perspektivisch ausgewählt wurde: Die Straße ist nämlich so neu, sie ist bisher noch gar nicht fertig gebaut! Teilweise fahren wir auf reinen Sandstraßen die Serpentinen hoch. Nach ca. zwei Stunden sind wir weit oben auf den Bergen. Der Minivan Fahrer schaltet die laotische Panoramamusik ein und wir erhaschen die ersten Blicke auf die Karstberge am Horizont.

Karstfelsen Karstberge Natur in Vang Vieng

Zweimal machen wir Halt an Raststätten. Vermutlich weniger, damit sich die Passagiere die Beine vertreten können, sondern vielmehr, damit die Bremsen auskühlen können. Mit dem Begriff „Karstberge“ konnten wir bisher nicht so viel anfangen: Wie sieht denn so ein Karstberg aus? Jetzt sehen wir diese Berge am Horizont und es ist atemberaubend.

Nach vier – ach vielleicht waren es auch mehr Stunden – kommen wir in Vang Vieng an. Der Reiseführer hat recht: Hier ist es nicht schön, eher staubig und..uff..Beton über Beton, dreckig ist es auch, Mülltüten, Plastiktüten, alles liegt rum. Zum Glück ist unsere Unterkunft sauber und wir haben sogar Bergblick!

Natur in Vang Vieng
Kurzes Pause von der Sardinendose

Ein Auf und Ab der Gefühle

Wir wollen raus in die Natur! Wir laufen durch die Straßen von Vang Vieng und suchen nach Mountainbikes. Ein Fahrrad kostet ungefähr 10.000 Kip pro Tag (ca. 1 Euro). Wir laufen von einem Shop zum anderen, schauen uns die Fahrräder an, testen Bremsen und ruckeln die Fahrräder hin und her. Unsere Laune wird immer schlechter und das Gefühl einen Kulturschock zu haben, kommt auf: Unsere Vorstellung von (einigermaßen) funktionierenden Fahrzeugen crasht mit dem laotischen Chaos zusammen.

Die Fahrräder sind in einem sehr schlechten Zustand: Die Bremsen sind nur Deko, das Pedal-Gelenk hängt nur noch halb am Rad, die Gewinde quietschen und die Reifen sind so abgefahren, dass man schon das Gewebe unter dem Gummi sehen kann.

Enttäuscht trotten wir daher zurück zum Hotel. Plan B muss her, also tippen wir auf das laminierte Papier auf dem Hoteltresen und buchen eine 2,5 h Kayak Tour für 90.000 (ca. 9 Euro pro Person).

„You can join a big group“, sagt die Hotelbesitzerin und dabei sackt unsere Laune noch etwas ab. Auf eine große Touri-Gruppe haben wir gar keine Lust – aber wir haben auch wenig andere Alternativen, was wir hier sonst machen könnten.  „Pick up is in 30 minutes at 12:00“ sagt sie noch dazu und wir müssen uns ordentlich sputen!

Wir haben noch nicht zu Mittag gegessen und es bleibt auch keine Zeit in ein Restaurant zu gehen. Das Essen würde nie rechtzeitig kommen! Wir kaufen das Einzige, was in unseren Zeitrahmen passt: Zwei Magnum Mandel. Das muss jetzt als Mittagessen reichen.

Um 11:59 (WOW!) werden wir abgeholt und bekommen ein K (=für Kayak) mit Edding auf unsere Handrücken geschrieben. Der Pick up ist schon so voll, dass wir im Fahrerhäuschen Platz nehmen dürfen oder sollen (je nachdem). Wir humpeln und pumpeln durch die Schlaglöcher und rutschen von links nach rechts. Im Rückspiegel sehen wir die Staubwolke, welche der Pick up produziert. Unsere Laune beginnt zu steigen, denn wir haben total Glück mit den beiden Plätzen im Fahrerhaus: Als wir ankommen, klopfen sich nämlich alle Passagiere von der Ladefläche erst einmal den Staub aus den Klamotten – nur wir halt nicht.

Nach einer kurzen Einweisung steigen wir in die Kayaks

Zu unserer freudigen Überraschung ist unsere „Big group“ nur ein anderes polnisches Pärchen. Wir teilen uns mit den beiden den Guide und dürfen nach einer kurzen Einweisung in die Kayaks einsteigen. Die Unterweisung ist ungefähr so: Verliert eure Sachen nicht! Wenn ihr etwas verliert, dann versucht es selber wieder aus dem Fluss zu bekommen. Niemand wird euch helfen und macht die Paddel nicht kaputt, sonst müsst ihr diese bezahlen. Ende der Einführung. Alles klar, kann losgehen!

Unsere Sonnenbrillen werden mit einem „Opa-Band“ aus einem Plastikstreifen gesichert, damit sie uns am Nacken hängen bleiben, wenn wir kentern. So praktisch – das Band lässt Anne auch nach der Kayak-Tour noch dran.

Flussabwärts paddeln wir in aller Ruhe mit unserem Kayak an unglaublich beeindruckenden Karstbergen entlang. Unser Guide hat es auch nicht eilig mit dem Feierabend und lässt sich in laotischer Gelassenheit treiben. Ab und an müssen wir durch ein paar Stromschnellen und Anne gibt das Kommando: Padel links rein! Es macht richtig Spaß! Teilweise ist der Fluss so flach, dass wir mit dem Kayak über ein paar Steine schleifen. Meistens konnten wir gerade noch so drum herum fahren und sind zum Glück nie so richtig hängen geblieben. Dem polnischen Pärchen ergeht es nicht so gut, ein paar mal stranden sie und der Guide muss sie wieder ins tiefere Wasser ziehen.

Während unsere Fahrt kommen wir immer wieder an verlassenen Bars vorbei. Zur Partyhochzeit konnten sich die Touristen hier gut mit Beer Lao und Cocktails versorgen und dann wieder in aufgeblasene Reifen steigen, um sich damit den Fluss runtertreiben zu lassen. Dieses sogenannte „Tubing“ wurde stark limitiert bzw. eigentlich verboten, da einige der Partymenschen so betrunken waren, dass sie während des „Tubings“ ertrunken sind. Nach zahlreichen Unfällen wurden daher auch die meisten der Bars am Flussufer geschlossen und die Stadt erholt sich nun ganz langsam von seiner Hochzeit als Partymekka.

Zum Glück ist es inzwischen wieder entspannt und friedvoll am Fluss. Wir navigieren an badenden Kindern und ein paar Einheimischen vorbei, die mit ihren Taucherbrillen im Fluss stehen und nach Seegras fischen. Es ist mal wieder wie eine Fahrt durch eine Märchenwelt, fast so wie auf unserer Slow Boat Fahrt.

Nach 2,5 Stunden steigen wir aus dem Kanu und sind absolut beseelt. Dieser Tag hat noch eine freudige Wendung genommen.

Kanutour in Vang Vieng Nam Xong Fluss
Nach der Kayak Tour gönnen wir uns ein Feierabend Beer Lao

Neuer Tag, neues Glück …?

Die Mountainbike-Tour geht uns aber nicht aus dem Kopf. In Chiang Dao waren wir ebenfalls mit den Fahrrädern unterwegs und entdeckten dabei unser Kaffee-Mekka. Wir starten am nächsten Tag einen neuen Versuch, einigermaßen fahrbare Räder zu finden: Wir wollen unbedingt mit den Mountainbikes zur blauen Lagune!

Die Suche nach einem Fahrrad geht in die nächste Runde

Da das Buchen der Kayak Tour so gut im Hotel funktioniert hat, fragen wir nach, ob sie denn auch Fahrräder zu vermieten hätte.
Yes, my friend has some bikes“ und wir denken „Of course … a friend!“ und fragen nochmal genauer nach: „Could we see the bikes?“.
Yes, yes of course, you can choose a bike“ und wir sind voller Hoffnung, dass es nun klappt mit unserer Mountainbike Tour.

Wir warten vor dem Hotel, dass man uns abholt und uns zum „Friend“ unserer Gastgeberin fährt. Es vergehen 10 Minuten, 20 Minuten und auch nach den 30 vereinbarten Minuten sitzen wir immer noch vor dem Hotel und schauen dem „Fischladen“ gegenüber zu. Schon beim Anblick verabschiedet sich unsere Magen- und Darmflora.

Schließlich fragen wir nochmal nach, wann denn nun der ominöse „Friend“ kommt und zack – schon wird nochmal telefoniert. Irgendwann kommt eine Dame mit einem „Offroad-Buggy“ angefahren, hinten drauf sind zwei Fahrräder gezurrt. Ah ja, so viel zu: Wir können aussuchen. Wir begutachten die Fahrräder und Anne fährt eine kurze Runde. „Joar, Bremsen auch hier nur Schmuck, aber es könnte trotzdem gehen“ beurteilen wir die Dinger. Zwei Schlösser werden uns gereicht, die man auf jeden Fall mit Omas Haarnadel aufbekommen würde – aber sicher ist sicher!

Karstberge in Vang Vieng

Fahrradreifen – Normalerweise mit Gummi ummantelt

Wir sind einfach froh irgendwelche Fahrräder zu haben und fahren fröhlich los. An der ersten Kreuzung bemerkt Anne, dass der Reifen an Annas „Mountainbike“ sowas von abgenudelt ist, dass man die Schicht unter dem Gummi sieht – sozusagen die Reifen-Epidermis. Ein spitzer Stein und der Reifen platzt hundert-pro! Wir werden damit auf gar keinen Fall auch nur einen Meter in die Pampa fahren. Schnell ist der Entschluss gefasst, dass wir die Räder wieder am Hotel wieder abgeben: „Not working“.

Kurz bevor wir aufgeben wollen, finden wie doch noch einen Laden, der einigermaßen passable Räder hat. Anne probiert fast alle durch – Bremsen und Reifen sind hier echt ein Thema – und irgendwann finden wir zwei, von denen wir glauben, dass sie die Tour einigermaßen überstehen könnten.

Mountainbike in Vang Vieng
Mountainbike in Vang Vieng
Mountainbike in Vang Vieng

Yes, endlich! Auf geht’s! Und nach ca. 100m fangen beide Fahrräder dermaßen an zu quietschen, als würden wir permanent über eine Horde Meerschweinchen fahren. Wir ignorieren es eine Weile gekonnt, irgendwann kommt uns die Idee: Wir ölen die Gewinde der Fahrräder mit etwas 50er Sonnencreme, funktioniert tatsächlich! (Man sollte auf eine Laos Reise auf jeden Fall eine WD 40 Dose mitnehmen!)

Rund um Vang Vieng sollen sehr viele Lagunen sein, die wir gerne ansteuern möchten. Wir schaffen leider nur zwei, wobei das Highlight am Ende der Tour definitiv die große Blue Lagoon II ist, wo wir im kühlen Nass den ganzen Staub loswerden.

Blue Lagoon 2
Die Blaue Lagune II

Unser Fazit zu Vang Vieng

Der Ruf und die Vergangenheit von Vang Vieng als Partyhochburg kann man noch deutlich überall erkennen. Die Zukunft der Stadt soll wohl im Natur-Tourismus liegen, so der Plan einiger Verantwortlicher. Das wäre eine tolle Entwicklung, denn das wirklich Schöne findet man außerhalb der Stadt: Eine wunderbare Landschaft, warme Lagunen zum Schwimmen und Karstberge zum Klettern. Hierfür lohnt sich eine Reise nach Vang Vieng!

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