Schiffswrack Dimitrios
Griechenland

Piraten-Feeling am Schiffswrack Dimitrios

Der Wecker klingelt. Es ist 7:15 Uhr. Zeit zum Aufstehen. Naja fast. Einmal noch den Snooze Button drücken. Anna dreht sich nochmal um und Anne öffnet erstmal ein Auge. Seitdem wir auf Reisen sind, stellen wir uns eigentlich keinen Wecker mehr – warum auch? Was wir um welche Uhrzeit machen, entscheiden wir selbst. Uhrzeiten sind zur Nebensache geworden.

Warum haben wir uns nochmal einen Wecker gestellt? Ach ja, wir wollen zum Sonnenaufgang am Strand sein, um das Schiffswrack Dimitrios zu sehen.

Anne schiebt das Fensterrollo etwas nach unten und murmelt: „Ich glaube, wir sind zu spät. Es ist irgendwie schon hell“. Kurz hofft Anna, dass es wirklich schon zu spät ist und wir einfach weiterdösen können.

Erstaunlich schnell krabbelt Anne aus dem Bett und macht sich bereit: Hoodie, die dicke Daunenjacke, Schal und Mütze. Ja, die Morgenstunden in Griechenland sind im Februar noch etwas frisch.

Das Rollo im „Wohnzimmer“ schnellt nach unten. Irgendwie hat es dieses Rollo immer besonders eilig, das Tageslicht hinein zulassen. Irgendeine Feder muss da wohl rausgesprungen sein.

Ist das eine Filmkulisse oder echt?

Wir sehen: Die Sonne ist doch noch nicht aufgegangen! Gut eingepackt und mit Kamera und Drohne in der Hand schlendern wir zum Strand.

Alle anderen Camper am Strand von Gythio schlafen noch. Es ist ganz still, nur die Wellen rauschen. Direkt hinter der Sanddüne sehen wir es: Das Schiffswrack Dimitrios. Ganz langsam steigt die Sonne in der Ferne auf und wirft ein großartiges und dramatisches Licht auf das Schiffswrack.

Die Szenerie wirkt irgendwie unwirklich. Wie aus einer beeindruckenden Szene aus einem Piratenfilm. Das Schiffswrack Dimitrios liegt hier seit über 40 Jahren am Strand und rostet vor sich hin.  Anna schießt ein paar Fotos und Anne lässt die Drohne über das Wrack fliegen.

Man munkelt, dass das Schiff Schmugglerware von Griechenland in die Türkei gebracht hat. Das Schiff war wohl eines Tages nicht ordentlich festgemacht und trieb auf Grund. Von dort hätte es aufwendig geborgen werden müssen, weswegen natürlich plötzlich niemand mehr der Eigentümer sein wollte. So liegt dieses riesiges Schiff seit Jahren am Strand und ist eine Attraktion für Touristen.

Schiffswrack Dimitrios
Das frühe Aufstehen hat sich gelohnt, um das Schiffswrack Dimitrios bei Sonnenaufgang zu sehen
Schiffswrack Dimitrios
Schiffswrack Dimitrios
Schiffswrack Dimitrios
Schiffswrack Dimitrios von oben
Schiffswrack Dimitrios
Nach nur ein paar Metern am Strand sieht man das Schiffswrack Dimitrios

Zurück am Camper gibt es endlich den Guten-Morgen-Kaffee. Wir überlegen, wohin wir weiterfahren wollen. Einkaufen steht auf unserem Plan und andere Wildcamper-To-Dos: Wasser holen, Grauwasser entsorgen, Müll wegbringen. Wenn man schon einige Monate als Wildcamper in Griechenland unterwegs ist, dann findet man normalerweise alles nötige sehr schnell.

Es wird mal wieder ein Großeinkauf, den wir im Lidl in Skala erledigen. Anschließend führt uns der Weg weiter nach Kalamata.

Kurs auf Kalamata

Mit dem Camper durch griechische Städte zu fahren, gleicht einer Art Anti-Aggressionstraining: Fahr mal mit deinen 3,5t und 3,2m Höhe über Schlaglöcher (hinten poltert das Geschirr in den Schränken) und durch enge Gassen mit tief hängenden Balkonen. Lass dich dabei von Google so richtig in die Irre führen (jetzt links abbiegen – ja gerne, aber keine Strasse vorhanden?!), dann am engsten Punkt in der Straße wenden. Das ist … spannend.

Mit Kalamata werden wir nicht wirklich warm. Die Stadt ist zwar nicht so klein und verwinkelt, aber mit dem Camper da durch ist auch gar nicht mal so toll. Wenn die Stadt wenigstens schön wäre, aber nee, komische Architektur, unfassbar viele streunende Katzen und Hunde, übervolle Mülltonnen, irgendwie kein Wohlfühlort für uns.

Aber das Panorama ist schön! Wenn man die Stadt im Rücken hat und sich von ihr wegdreht, dann kann man wirklich sehr schön die Berge sehen! Alles eine Frage der Perspektive. Schnell ist uns klar, dass wir nur unsere To-Dos Liste hier abarbeiten und dann weiterziehen werden.

Unser erster Stop: Autowäsche.  Zweiter Stop: Der Just Vegan Shop. Wir kaufen Tofu-Burger, Bio-Tomaten, Bio Hack und Haselnussmuss. Das wird ein Fest!

Im mini Ikea (er ist so groß wie ein kölscher Kiosk) besorgen wir noch einen neuen Kopfkissenbezug und eine Obst-Kiste. Hach, wie man auf einmal zu schätzen weiß, sich auch mal etwas anderes zu „gönnen“, als Lebensmittel. Wegen des Lockdowns hatten bislang fast ausschließlich Lebensmittelgeschäfte und Tankstellen geöffnet. Und selbst der Supermarkt durfte keine Non-Food-Dinge verkaufen (In der Praxis: Im Supermarkt wurden alle Non-Food-Artikel mit Folie abgedeckt und die Leute haben dann einfach den Kram unter den Folien hervorgeholt und natürlich trotzdem gekauft).

Herausforderung: Wäsche waschen in Kalamata

In der Gegend rumfahren und wahnsinnig schöne Buchten entdecken, macht besonders viel Spaß, wenn man in frischen Klamotten steckt. Nach 3 Wochen gehen uns langsam die frischen Klamotten aus und wir machen uns auf die Suche, nach einer Waschmaschine. Und da das Wäsche waschen im Camper eine tagesfüllende Aktivität sein kann, möchten wir euch diese Erfahrung natürlich nicht vorenthalten.

In Kalamata übernachten wir auf einem Parkplatz neben einem Fußballplatz. Das ist „ok für eine Nacht“. Über Park4Night sehen wir, dass im Hafen der Marina wohl eine Waschmaschine steht. Wir fragen im Hafen-Büro und bekommen den Schlüssel für die Damentoilette. Dort soll sich eine Waschmaschine und ein Trockner verstecken. Trockner sind eher selten, aber extrem nützlich. Denn sie ersparen uns das volle Wäsche Chaos im Camper.

Ja, es ist tatsächlich so: Wir freuen uns über einen Trockner. Das hätten wir am Anfang der Reise auch nicht vermutet, aber es sind ja die kleinen Dinge im Leben.

In der Damentoilette finden wir dann auch tatsächlich das Objekt unserer Begierde. Wir würden uns nicht wundern, wenn diese Waschmaschine bald in einem Museum steht. Sie ist ziemlich alt oder sagen charmant ausgedrückt: „Rüstig und erfahren“.  Wie eigentlich jeder Verkäufer in Griechenland, möchte auch diese Maschine natürlich ausschließlich Bargeld. Und zwar EXAKT folgende Münzen: 1×2 Euro, 2x 1 Euro und 1 x 50 Cent. Nachdem wir genau diese Münzen aufgetrieben und die Maschine angeschmissen haben, geht das Gepolter los. Nach 20 Minuten pure Freude auf saubere Wäschen, ist die Ernüchterung groß: Die Wäsche ist nass und fusselig. Die Waschmaschine und wir haben ein sehr diametrales Verständnis von „Sauberkeit“.

Wir starten einen zweiten Versuch, in der Hoffnung, dass unser Zeug vielleicht doch noch sauber wird. Tja, leider gehen dafür unsere letzten Münzen drauf und das bedeutet auch das AUS für unseren Traum vom Trockner. In diesen Momenten überlegen wir fieberhaft, wo wir in die Berta eine kleine Waschmaschine einbauen könnten.

Und wir bereuen es, die Wäsche nicht in die Wäscherei gegeben zu haben. Dann würde zwar alles jahrelang nach Weichspüler „duften“, aber wir hätten dieses ganze Geshizzl nicht.

Waschgang „Numero Zwei“ macht unsere Wäsche zwar nicht sauberer, dafür noch fusseliger. Irgendwas in der Trommel ist nicht so gut für den Stoff. Mit unserer nassen Wäsche fahren wir zurück zum Fußballfeld.

Anna hat in den letzten Monaten eine ganz besondere Trocknungstechnik unserer Wäsche entwickelt. Alle Fenster werden geöffnet und kein Fleck im Camper bleibt frei.

Irgendwann sitzen wir zwischen Socken, T-Shirts und Pullovern, die überall liegen und hängen, trinken einen Kaffee und gucken unserer Wäsche intensiv beim Trocknen zu.

Überall hängt Wäsche – Einfach überall!

Plötzlich kommt ein Roller angefahren und parkt direkt vor unserem Camper. Ein junger Mann mit langen lockigen Haaren steigt ab, lächelt nett und deutet sowas an wie „Hallo, ich möchte mich mit euch unterhalten“. (Wir fragen uns, wie er uns überhaupt zwischen der ganzen Wäsche im Camper sehen konnte?!)

Anna schlängelt sich durch den Socken-T-Shirt Dschungel, zieht sich eine Maske über und macht die Fahrertür auf. Im perfekten Deutsch sagt der junge Mann: „Hallo, ich habe euch hier ein bisschen rumfahren sehen und ich wohne hier in der Nähe mit meiner Oma. Ich wollte fragen, ob ihr Gras kaufen wollt? Manche Leute kommen extra deswegen nach Kalamata. Es gibt hier nämlich eine ganz besondere Sorte Gras“. Wir gucken etwas verdutzt, damit hatten wir nun gar nicht gerechnet.

Dankend lehnen wir ab und müssen einfach sehr lachen, als er auf seinem Roller wieder davonbraust. Ist er gerade extra mit seinem Roller zu uns gefahren und hat uns das wirklich gerade gefragt? Also wir wollten ja so einiges in Kalamata machen, aber Gras kaufen stand jetzt nicht auf unserer To-Do-Liste.

Uns beschleicht das Gefühl, dass wir eher keine zweite Nacht in Kalamata übernachten wollen. Irgendwie fühlen wir uns in der Natur wohler. Wir satteln die Pferde und lassen Kalamata hinter uns. Unser Ziel ist es, bis zur Spitze der Mani zu fahren. Warum wir dort allerdings nicht angekommen sind, erfahrt ihr im nächsten Beitrag.

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One Comment

  • Beate Hopfengärtner

    Wieder herrlich geschrieben!
    Ich habe immer ein Schmunzeln im Gesicht, wenn ich eine neue Episode Eurer Abenteuer in Griechenland
    gelesen habe. 😄
    Weiter eine gute Zeit !

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