Lockdown Griechenland Campintplatz
Griechenland

Lockdown in Griechenland: Rückblick auf 5 Wochen

Nachdem wir uns für den Lockdown in Griechenland auf dem Campingplatz eingefunden haben, richten wir uns erstmal in unserer Ecke häuslich ein. Ja, es ist einerseits schon entspannt, wenn man Wasser nicht erst finden muss und unbegrenzt Wlan hat. Manche Tage in den ersten drei Lockdown Wochen verfliegen, andere sind aber auch zäh wie Kaugummi. Warum wir letztlich länger auf dem Campingplatz bleiben mussten, als wir dachten und wie es uns bislang im Lockdown in Griechenland erging, berichten wir euch hier.


Camper mit Ab/Anstand – Schön wär´s!

Bereits als wir Anfang 2020 in Asien waren, nahmen wir das Corona Virus sehr ernst. Unsere Meinung zum Virus hat sich seitdem auch nicht geändert: Wir wollen es nicht haben und wir wollen auch unser bestes Tun, um es nicht weiterzuverbreiten. Deswegen tragen wir Masken (auch über der Nase), halten Abstand, waschen uns oft die Hände. Das geht nun schon Monate so und ist jetzt umso wichtiger.

Einige andere Campingplatz Gäste scheinen Corona allerdings irgendwie vergessen zu haben oder schlicht zu ignorieren. Dicht an dicht parken sie ihre Wohnmobile. Kein Platz bleibt in der ersten Reihe am Strand frei. Alle möchten um jeden Preis dort stehen und den Sonnenuntergang genießen. Ein Camper packt irgendwann seine Musikanlage mit lautem Bass aus, was zu rauschenden Partys bis in die Nacht führt. Viele verschiedene Familien grillen gemeinsam an langen Tafeln und so weiter. Wäre ja alles kein Problem – ohne Corona! Wir befinden uns aber leider gerade in einer globalen Pandemie. Und sind noch dazu Gäste in einem Land, dessen Krankenhäuser nahezu überlastet sind. Dann eine Party zu feiern, während andere sich zurücknehmen und dadurch mithelfen, die Corona-Ansteckungen zu verringern, finden wir ehrlich gesagt respektlos.

Unser Camp: Mit Abstand am Besten

Wir halten uns von der ersten Reihe und allen Feierlichkeiten fern. Unser Quartier haben wir in einem gemütlichen Eck aufgeschlagen und genießen die Zeit zu zweit. Und Party-Time ist für uns wieder, wenn die Pandemie hinter uns liegt!

Anfang November ist das Wetter bombastisch. Wir schnorcheln und baden am hauseigenen Campingplatz Strand. Die Temperaturen sind tagsüber bei 17 bis 20 Grad. Viele herrliche Sonnentage genießen wir im November. In der Nacht kühlt es ab – aber bei uns in der Betthöhle ist es einfach muckelig warm und so schlafen wir lange aus – warum sollen wir auch aufstehen? Wir haben doch Lockdown-Urlaub. Zweimal haben wir die Standheizung anwerfen müssen. Das wird sich nun im Dezember sicherlich häufen.

Abends bewundern wir den Sonnenuntergang am Strand. Der Strandabschnitt verändert sich jede Woche etwas mehr. Am Anfang konnten wir noch auf einem ganz breiten Streifen Frisbee spielen. Ende November ist der Strand wesentlich schmaler geworden und die Wellen erreichen inzwischen die Stufen zum Campingplatz. Die Frisbee haben wir richtig lieben gelernt. So trainieren wir fast jeden Tag am Strand, wenn es nicht gerade stürmt. Inzwischen können wir schon einige Passvarianten und sehen dabei ziemlich lässig aus. Finden wir zumindest…

Lockdown in Griechenland
Lockdown in Griechenland Ionion Beach Campingplatz
Lockdown in Griechenland Ionion Beach
Mit der Zeit wird das Wetter immer stürmischer

Unser Wohnmobil bewegen wir nur alle sieben Tagen zum Grauwasser entsorgen. Alle 10 Tage fahren wir zum Supermarkt in die nächste größere Stadt. Wenn wir uns vom Campingplatz wegbewegen, haben wir natürlich unsere handgeschriebene Genehmigung dabei. Während des Lockdown darf nämlich niemand ohne Grund das Haus verlassen. Nach drei Wochen Lockdown in Griechenland stagnieren die Infektionszahlen inzwischen zumindest. Allerdings auf hohem Niveau. Griechenland hat 21 Millionen Einwohner, ist dünn besiedelt und trotzdem sterben coronabedingt täglich bis zu 100 Personen.

Endlich sind unsere Pakete da!

Seit zwei Wochen warten wir auf Pakete aus Deutschland. Leider ändert sich der Sendestatus unserer Pakete seit einigen Tagen nicht mehr. Wir telefonieren mit DHL in Griechenland und versuchen unsere Pakete zu orten. Tatsächlich finden wir heraus, dass die Pakete einem anderen Dienstleister übergeben wurden. Außerdem haben sie neue Sendungsnummern bekommen und befinden sich schon länger in einer Poststation in der Nähe des Campingplatzes. Sie wurden uns nicht zugestellt, da der Campingplatz difficult to access sei – ist klar! Hätten wir nicht angerufen, wären die Pakete dort wahrscheinlich einfach vergammelt.

Wenn die Pakete also nicht zu uns kommen, dann kommen wir eben zu ihnen. Und so schmeißen wir Berta an und holen die Pakete auf der 30 KM entfernten Poststelle ab. Bevor wir in die Poststelle dürfen, müssen wir warten. Nur eine Person darf in den Shop und so wie uns, ergeht es scheinbar auch den Griechen. Sie holen ihre Pakete wohl lieber auch direkt am Postlager ab. Deshalb ist die Schlange vor der Post lang.

Endlich darf Anna rein! Die Dame verschwindet im Paketlager und taucht ewig nicht mehr auf. Ziemlich aus der Puste kommt sie endlich aus dem Lager und schleift zwei Pakete über den Boden. Ob wir mit dem Auto da sind, fragt die Dame, die uns die Pakete aushändigt. 11 Kilo wiegt unser Care Paket aus Franken! Es ist schon ein bisschen wie Weihnachten, als wir die schönen Sachen aus dem Paket auspacken. Die selbstgebackenen Elisentaler von Annes Mama schmecken wie frisch aus dem Ofen und sind ziemlich schnell verschwunden. Die Pullis von Annes Bruder sind kuschelig und genau das richtige für diese Jahreszeit. Vielen Dank!!

Und endlich mal wieder in die Pedale treten

Irgendwann packt uns der Lagerkoller und wir laden die Fahrräder vom Träger. Für die Polizei stecken wir einen „Begründungszettel mit dem Grund: Sport“ ein und schwingen uns aufs Rad. Es tut so gut mal rauszukommen und mehr als die geschnittene Hecke im Campingplatz und den gleichen Strandabschnitt zu sehen.

Lockdown Griechenland Ionion Beach
Lockdown Griechenland Ionion Beach

Eine asphaltierte Straße zieht sich durch ein Fischerdörfchen. Gerade als wir mit unseren Rädern in die Straße nach Glyfa einbiegen wollen, hören wir einen Hund laut bellen. Ist noch nicht weiter ungewöhnlich, hier bellen ständig Hunde hinter irgendwelchen Zäunen. Allerdings rennt dieser Hund schnurstracks auf uns zu – und es ist weit und breit kein Zaun zwischen ihm und zu sehen. Als der Hund sich direkt vor uns aufbaut und gar nicht freundlich bellt, machen wir kehrt und treten in die Pedale. Der Hund rennt uns ein gutes Stück nach und kommt ziemlich nah, aber erwischt uns zum Glück nicht. Ein eher abruptes Ende unserer Radtour – uns ist aber nichts passiert.

Besser nicht nachmachen!

Unsere Reaktion (= schnell abhauen) ist übrigens nicht ratsam, wie wir später bei unseren Recherchen lernen. Langsam und seitlich vom Hund wegbewegen und ihm nicht in die Augen gucken, ist sinnvoller. Okay, wieder was gelernt! Das Gelernte werden wir im Dezember nochmal auf einer Wanderung brauchen.

Lockdown Geburtstag im Campervan

Perspektivan

Da der Lockdown in Griechenland Anfang Dezember weiter verlängert wurde, bleiben wir länger auf dem Campingplatz und feiern dort auch Annas Geburtstag. Obwohl es ziemlich schwer ist, in einer Einraumwohnung heimlich einen Kuchen vorzubereiten, ist Anna sehr überrascht über den schön gedeckten Frühstückstisch und die Geschenke aus der Heimat! Danke, danke, danke!

Vielleicht doch einen Hund?

Im Laufe der Zeit scheint der Campingplatzgärtner zunehmend an uns interessiert zu sein und lässt gerne die Heckenschere fallen, um sich mit uns zu unterhalten. Sein Englisch verstehen wir leider nur so halb und Corona-Abstand fällt ihm auch schwer. Irgendwie scheinen auch nur wir in seinen Blickfang geraten zu sein.

Das Hetereo-Pärchen gegenüber interessiert ihn so gar nicht. Als der Gärtner uns dann eines Tages ein paar sehr seltsame Blicke und Gesten zuwirft, haben wir endgültig keinen Bock mehr. Wir arbeiten noch an unseren „Eiern in der Hose“, um solchen Typen noch deutlicher zu sagen: „Verzieh dich einfach!“. Oft ist man in solchen Momenten leider zu sprachlos und überrascht für eine schnelle und deutliche Reaktion.

So ist die „Ein Hund wäre ein gutes Backup“-Thematik, die wir eigentlich schon abgeschlossen hatten, wieder auf dem Tisch. Vielleicht kommen wir doch mit einem Hund aus Griechenland zurück – aber das lassen wir nun einfach mal auf uns zukommen.

Lockdown in Griechenland bis Januar 2021

Der Lockdown in Griechenland wird erneut verlängert. Bis zum 7. Januar 2021 soll alles weiterhin stillstehen. Aus den ursprünglich geplanten drei Wochen auf dem Campingplatz, sind durch die vielen Verlängerungen nun schon 36 Tage geworden. Diese Zeit war vor allem eins: Sehr teuer. In unserem Reisebudget klafft eine große Lücke.

Die weitere Verlängerung bis Januar wollen wir nun nicht mehr auf dem Campingplatz verbringen. Wir beschließen, wieder frei zu stehen. Zwar bekommen wir beim Campingplatzbesitzer keinen Rabatt, obwohl wir so lange geblieben sind. Aber immerhin erhandeln wir einen gratis Kanister mit 3L feinstem Olivenöl. Na, damit können wir ja auch was anfangen!

Wir begleichen die Rechnung, packen unseren Cicada und rollen vom Hof. Wir sind gespannt, wie das Wildcampen im Lockdown in Griechenland so funktioniert. Aber ach, es tut erstmal gut, wieder auf der Strasse zu sein! – Fortsetzung folgt.

Update: Das Wildcampen funktioniert erstaunlich gut, lies hier weiter: Wildcamping im Lockdown.

4 Comments

  • Lisa von Travellerin.de

    Liebe Anne und Anna,

    da denke ich mir, mit dem Van unterwegs zu sein muss zu Corona-Zeiten die beste Reiseart sein, und dann seid ihr trotzdem im Lockdown gefangen. Aber ist ja irgendwie auch logisch. So oder so, alles etwas nervenraubend gerade. Immerhin gab es Olivenöl.
    Und zu der Hundegeschichte: Ich gucke Hunden niiiie in die Augen, weil ich immer Angst habe, dass die anfangen zu bellen 😀

    Liebe Grüße
    Lisa

    • Anne und Anna

      Liebe Lisa,
      das Reisen mit dem Van ist einfach großartig, auch wenn man mal etwas länger an Ort und Stelle bleibt. Das Olivenöl kommt hier sozusagen direkt vom Baum und ist super aromatisch. Davon werden wir wohl noch ein/zwei Kanister einpacken, wenn wir weiterfahren 😉 Wir hatten die letzten Tage einen sehr netten Nachbarn mit seinem kleinen Welpen (natürlich auch ein ehemaliger Streuner). Das ist schon wahnsinnig süß, wie er sich freut, wenn man Leckerlies spendiert. Also der Hund, nicht der Nachbar 😀

      Sonnige Grüße von der Peleponnes!

  • Christine und Peter

    Hallo Anne und Anna
    Wir waren zur gleichen Zeit im Lockdown auf dem Campingplatz. Standen ganz weit hinten quasi alleine, da wir einerseits unsere Privatsphäre schätzen, andererseits aus nachvollziehbaren Gründen auf Kontaktbeschränkung großen Wert legen. Die“Kuschelmentalität“ vieler Camper hat uns auch sehr irritiert. Noch viel schlimmer fanden wir die Parties die stattfanden. Haben uns diesbezüglich mehrfach bei Jorgos beschwert. Leider ohne Erfolg. Wir hatten den Eindruck dass er das „gedeckt“ hat um die Klientel bei Laune zu halten. Wir finden es gut, dass Ihr als junge Leute dies auch so empfunden habt und dies auch im Internet kundtut. Aufgrund dieser Missachtung der Regeln sind wir letztendlich nach mehr als 30 Tagen auch abgefahren. Und sind sehr froh darüber. Denn mit Vernunft und Augenmaß lässt sich auch im Lockdown dieses wunderschöne Land bereisen. Und Wildcampen ist auch jetzt kein Problem, zumal es Gott sei Dank noch Plätze gibt, die noch nicht bei Park4night zu finden sind. Hoffen wir dass es noch lange so bleibt. Liebe Grüße (mittlerweile vom Kap Maleas) Christine und Peter
    http://www.dergrossewagen.eu

    • Anne und Anna

      Liebe Christine & Peter,
      nach nun mehr als 30 Tagen, die wir nicht mehr auf dem Campingplatz sind, können wir sagen, dass dies die absolut richtige Entscheidung war. Wir sind auch sehr froh wieder on the road zu sein und genießen die Fahrten und die vielseitige Landschaft sehr! Was haben wir dieses Gefühl vermisst!
      Herzliche Grüße, Anna & Anne

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