Hard Lockdown Griechenland
Griechenland

Hard Lockdown in Griechenland

Der Lockdown in Griechenland ist bereits Alltag geworden und dass er Woche um Woche verlängert wird, ist auch schon ganz normal. Als wir nach einiger Zeit auf dem Campingplatz gerade wieder ein paar Tage zum Wildcampen aufgebrochen sind, da wird der „Hard Lockdown“ ausgerufen. Wir dachten eigentlich, dass man den Lockdown in Griechenland eigentlich nicht mehr härter machen kann. Lies in diesem Beitrag, wie die „neuen“ Hard Lockdown Regeln in Griechenland sind und wie wir als Camper damit umgehen.


Auf unserem Campingplatz in Kalogria, auf dem wir wegen eines Zwischenfalls mit der Polizei gelandet sind, gesellt sich ein silberner Kastenwagen zu uns. Aus der Schiebetür hüpft ein kleiner Welpe, der sehr interessiert an Annas Adilette ist.

Da wir ja mittlerweile zu großen Hundefans geworden sind (Lies hier über unsere eigene Welpen-Rettungsaktion weiter), sind wir sehr erfreut, dass auch dieser griechische Welpe von der Straße aufgesammelt worden ist. Ganz genau kommt er aus einem Hafen an der Ostküste. „Ach, nee?“ Der Hafen in der Nähe von Voria Kinouria?“ fragt Anna nach. Und siehe da: Der kleine Welpe ist uns auch schon mal begegnet und sogar gefüttert worden.

Unser Nachbar hat sich ein Herz genommen und den Kleinen bei sich im Camper übernachten lassen und konnte sich schließlich nicht mehr von ihm trennen. Der kleine „Charly“ ist nun schon geimpft und gechipt und ein ausgesprochen putziger Welpe.

Mercedes Sprinter Cicada Spirit
Welpe „Charly“ wurde in einem Hafen aufgelesen und tierärztlich versorgt

Gespräche mit Abstand – das geht

Wir genießen es endlich mal wieder Gespräche Face-to-Face zu führen, in welchen wir uns nicht nur rückwärts bewegen, weil unser Gegenüber zielstrebig in unseren 1,5m Abstand reintrampelt. Und so unterhalten wir uns sehr freudig über unseren unsichtbaren Gartenzaun, tauschen Sichtweisen über das Reisen in Corona-Zeiten aus, und worüber man sich halt sonst unter Campern unterhält.

Natürlich bieten wir unsere Hilfe auch an, wenn es um den kleinen Charly geht. Denn wir wissen ja, wie viel Arbeit so ein kleiner Racker machen kann und so passen wir auf ihn auf, während unser Nachbar im Supermarkt shoppen ist. Den Kontakt zur Tierschutzorganisation MIAO vermitteln wir ebenfalls und so kommt Charly zu einem Welpen-Date mit dem griechischen Schäferhund Odin. Ganz fröhlich und unermüdlich laufen die Jungs den Strandabschnitt hoch und runter – Schön so ein unbeschwertes Hundeleben.

Welpe Griechenland

Auf unserem Campingplatz ist ein Kommen und Gehen von anderen Campern. Große Expeditionsmobile, Toyota Landrover mit Dachzelt, selbst umgebaute Vans und auch ein Mercedes Sprinter aus der Schweiz, der aussieht wie ein Kühl-LKW. Die Wohnmobile bleiben wenige Tage und fahren wieder ab. Wir fragen uns: Wohin fahren die denn? Sollten wir es auch riskieren wieder freizustehen?

Wir brechen für kurze Zeit auf…

Wir beschließen für ein oder zwei Tage den Campingplatz zu verlassen und brechen mit unserem Nachbarn gemeinsam auf. Das Ziel ist das Kap Tenaro und die Wanderung zum Leuchtturm. Überall sprießen schon Gänseblümchen, gelbe Blümchen, rote Blümchen aus der Erde und es sieht ganz zauberhaft nach Frühling aus. So schön diese Strecke auch ist, zwei Polizeiautos überholen uns auf der Fahrt. Wir machen uns schon auf die Sirene gefasst, aber die Polizei hat kein Interesse an uns. So richtig können wir diese Ausfahrt nicht genießen.

Eine Übernachtungsstation finden wir in Limeni, wo eine riesige Ferienanlage aktuell leer steht. Auch das angrenzende Städtchen ist wie leer gefegt. Ob hier in den nächsten Wochen wieder Touristen einziehen können?

Auf dem Parkplatz üben wir mit Charly die Kommandos „Sitz“ und „Platz“, welcher er im Nu versteht. Leider ist das Wetter nicht auf unserer Seite. Es ist grau, windig und kalt. Kein tolles Wetter für eine 4-stündige Wanderung zum Leuchtturm.

Wildcampen Griechenland Limeni
Das Dorf ist so gut wie verlassen und wir verbringen eine ruhige Nacht in Limeni

Zwischenstop in Kalamata

Unsere Wege trennen sich und wir verabschieden uns vorerst von unserem Nachbarn und Charly. Wir fahren ein gutes Stück zurück nach Kalamata, um unsere Lebensmittelvorräte wieder aufzufüllen.

In Kalamata verbringen wir wieder eine Nacht neben dem bereits im letzten Beitrag erwähnten Fussballplatz. Diesmal kommt allerdings kein Marihuana-Lieferservice vorbei. Wir entscheiden uns, noch etwas länger freizustehen und steuern am nächsten Tag einen Stellplatz in der Nähe von Kalamata an, auf dem wir schon einmal übernachtet hatten. Von dort hat man einen fantastischen Blick auf das Meer und die schneebedeckten Berge.

Einige Camper, die wir dort vor vielen Wochen schon gesehen hatten, stehen immer noch dort. Am nächsten Morgen erhalten wir die Nachricht von anderen Campern, dass diese gerade am Stellplatz in Gythio von der Polizei kontrolliert worden sind und hohe Strafen zahlen müssen. Zum Glück waren wir dort schon vor ein paar Wochen und konnten das Schiffswrack in aller Ruhe, ohne Polizeikontrolle, bestaunen.

… und kehren nach Stoupa zurück.

Immer mehr Camper berichten von Strafen und Problemen und wir beschließen, solche hohen Strafen zu vermeiden und zurück zum Campingplatz in Stoupa zu fahren. Und siehe da: Der Platz hat sich mittlerweile gut gefüllt mit weiteren Campern. Scheinbar haben alle das Gefühl, Freistehen kann im Moment sehr teuer werden. Ein anderer Camper berichtet, dass er mit auf die Wache musste und dort sogar kurzzeitig in eine Gefängniszelle gesteckt worden ist. Er hätte Bilder davon auf dem Handy. Wir winken ab, denn wenn mehrere Leute auf ein Handy gucken, ist auch nichts mehr mit Abstand. Leider machen einige Camper auch wieder das, was wir schon im November nicht verstanden haben: Schön nah zusammensitzen.

Der Campingplatzbesitzer ist auch etwas erstaunt, dass wir wieder auf seiner Matte stehen. Wir glauben, dass er sich aber über „Your are Schuhmacher – very good driver“ freut – das hatte er Anne beim letzten Besuch zugerufen. Wir planen etwas länger zu bleiben und verhandeln einen fairen Preis pro Nacht für beide Seiten! Bei der Abreise vor ein paar Tagen erließ er uns zudem die Kosten für die Waschmaschine. Handeln in Griechenland: Es hat bisher immer funktioniert.

Ab sofort: Hard Lockdown in Griechenland

Immer Freitags gibt es Neuigkeiten vom griechischen Jens Spahn. Dieser gibt jede Woche ein Statement, wie die weiteren Corona Maßnahmen für die kommende Woche aussehen. Seit 4 Monaten befindet sich ganz Griechenland im Lockdown und die Regeln sind extrem streng: Alles geschlossen außer Lebensmittelgeschäfte, Regionen-Wechsel ist nicht erlaubt, Häuser verlassen nur mit Passierschein etc. Und gerade wenn man denkt, was soll denn da noch mehr eingeschränkt werden, dann kommt es dicke: Man darf sich ab sofort nur noch in einem Radius von 2 Kilometer um sein Haus bewegen. Und diese 2 Kilometer auch nur zu Fuß oder mit dem Rad… Es wird „Hard Lockdown“ oder auch „smart measure“ genannt – Puh!

Es darf nun quasi nichts mehr mit dem Auto gemacht werden, außer natürlich zur Arbeit fahren, einkaufen und zum Arzt. Die Coronafälle steigen immer weiter und sind wieder auf dem Niveau von November. Im Januar hofften wir noch: Ach, die Zahlen werden besser und der Lockdown wird vorbeigehen. Leider zeigt sich jetzt eine andere Entwicklung und der Lockdown wird verlängert und verlängert. Es ist quasi eine Dauer-Verlängerung. Also Normal-Zustand.
Mit unserem Lager auf dem Campingplatz haben wir es für die Zeit im Hard Lockdown aber ganz gut getroffen. Wir können unbehelligt die Sonne genießen und das Internet ist super zum Arbeiten. Letztendlich lohnt es sich aus unserer Sicht viel mehr, das Geld für den Platz auszugeben und entspannt zu sein, als von der Polizei verknackt zu werden und das Geld für Bußgelder rauszuhauen.

Wie geht es weiter?

Offiziell möchte Griechenland im Mai die Touristensaison eröffnen – das ist in gut vier Wochen. Gar nicht mehr so lange für ein Land, das seit November 2020 im Lockdown ist. Und die Zahlen sprechen nicht dafür, diesen Hard Lockdown in Griechenland zu beenden.

Unsere Hoffnung, dass wir zum Kap Tenaro oder die archäologische Stätte in Olympia erkunden können, ist quasi verpufft. Witzigerweise öffneten die archäologischen Stätten am 22. März – aber keiner kann hin, der weiter als 2 KM davon entfernt wohnt.

Im April sind wir schon sechs Monate in Griechenland und so langsam gehen uns die Feta Rezepte aus. Zum Glück ist das Wetter jetzt schon wärmer. Da wir ja wenig unternehmen können, nutzen wir die Zeit zum Arbeiten, Recherchieren und Planen. Wir überlegen, wohin wir im Sommer reisen könnten und was wir an unserer Berta unbedingt noch umbauen möchten.

Die Stimmung ist also heiter bis wolkig – wie wahrscheinlich in vielen Teilen dieser Welt momentan. Wir werden sehen, ob es noch ein „Super duper Hard Lockdown“ in Griechenland geben wird. Aber wir versuchen an positiven Gedanken festzuhalten und gönnen uns jetzt erstmal einen eiskalten Ouzo. Yamas!

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2 Comments

  • Georg

    Ihr Zwei, schön von Euch zu lesen. Ja, das Kunstwort „mütend“ trifft es gut. Ich spüre immer mehr eine Gereitztheit, Frust und Müdigkeit.
    Bei mir und bei anderen. Aber es ist nicht nur Corona, das nervt. Es ist der Umgang damit. Es ist eine schleichende Auflösung einer gewissen, vernünftigen Grundübereinstimmung und der Beginn eines „Jeder muss sehen, wo er bleibt.“
    Das fing an mit Abgeordneten, die aus ihrer Positition und der Not aller Kasse machten.
    (Heute gab es erste Verhaftungen!) Das geht weiter mit dem sogenannten „Impfturbo!?“ und den Fragen „Wer? Wann? Wo?“ Wir haben super Impfzentren, die bestenfalls „Teilzeit-impfen.“ Gestritten wird über Mallorca, Ostsee. Baggersee. Andere Länder impfen „Drive-In!“.
    Gleichzeitig beginnt der Frühling. Die Knospen brechen auf und die Vögel sind schon ganz aufgeregt, wo sie denn das Ei ablegen sollen. Draußen sehen wir vielen Hasen. Ich glaub die haben auch Probleme mit den Lieferketten.
    Ich grüße alle aus unserem Lockdown und freu mich auf Ostern im Nest.

    • Anne und Anna

      Ja, diese Zeiten sind nicht einfach und sie fordern uns ganz schön. Und so vieles, was eh schon immer schiefläuft (Umweltschutz, Konsum..), kommt ans Licht. Wir hoffen, dass das „bald wird es besser“ dann auch Realität wird. Während unserer Wartezeit, dass unsere Nummer aufgerufen wird, genießen wir die Sonne, die Vöglein und die Blumen. Wenigstens hat die Natur keinen Lockdown.

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