Thailand

Es wird tierisch im Chiang Dao Cave

Wir besuchen eine Touristenattraktion in Chiang Dao

Auch wenn Chiang Dao etwas spärlich in unserem Reiseführer beschrieben ist, gibt es wohl doch ein paar wenige Must–See–Attraktionen. Darunter ist auch die Chiang Dao Cave – eine Tropfsteinhöhle mit Stalaktiten und Stalagmiten inklusive Buddhas. Die vielen Rezensionen wie „Worth visiting“ und „Must-do“ überzeugen uns schließlich, der Höhle eine Chance zu geben.


Wir schnappen uns also die Fahrräder aus unserer Unterkunft und machen uns auf dem Weg. Unser Gastgeber gibt uns eine Straßenkarte mit dem ungefähren Weg zur Höhle und einigen weiteren Sehenswürdigkeiten in der Umgebung. Er sagt: „With bikes easy, very easy“ und wir sind guten Mutes, dass es auch so sein wird. Für den Fall der Fälle, dass uns doch etwas passieren sollte, sollen wir ihn auf jeden Fall anrufen und er holt uns aus der Patsche – egal wo. Ach, er ist einfach so nett!

Auf der Straßenkarte ist der Weg zum Cave mit „Beautiful road“ angegeben. Es gibt wohl keinen offiziellen Straßennamen, deswegen wird die Straße einfach nach ihrer Atmosphäre benannt.

An grünen Feldern und alten Bauernhäusern vorbei, geht es bergauf und bergab – es stimmt, wir sind auf einer „Beautiful road“. Es gibt nur wenig Verkehr und wir genießen es richtig, mit den Mountainbikes unterwegs zu sein. Auch wenn die linke Bremse von Annas Fahrrad halb abgebrochen ist und Anne besser nicht mit links schalten soll (Anweisung von unserem Gastgeber).

Der Cave ist gut ausgeschildert und viele bunte Fähnchen schwingen im Wind und begrüßen uns als wir zum Eingang des Caves radeln. Auch ein paar Mönche entdecken wir zwischen den Buddha Statuen.

Der Eingang zum Chiang Dao Cave
Der Eingang zum Chiang Dao Cave
Der Eingang zum Chiang Dao Cave


Hinein in die Dunkelheit…

…und ins Warme!

Wir steigen ein paar Stufen hoch und kommen direkt zum hölzernen Ticketschreibtisch. Dort sitzt eine gelangweilte Dame, die den ganzen Tag wartet, um Papierschnipsel als Eintrittskarten an Touris zu verkaufen. Sie sagt: „40 Baht“ (ca. 1,20€) pro Person müssen wir zahlen, um in die Höhle zu kommen. Langsam treten wir ins Dunkle und sind erstmal ganz verwundert: Wir waren ehrlich gesagt irgendwie darauf eingestellt, dass es kühl in der Höhle ist. Es ist aber warm und stickig!

Ein paar Meter darf man alleine in die Höhle hineingehen. Ehrlich gesagt ist dieser Teil ziemlich unspektakulär, es ist eine Höhle mit Stalaktiten, die teilweise mit Lampen angestrahlt werden. Joa gut..


Bis hierhin und nicht weiter…

….ohne Guide!

An einem bestimmten Punkt muss man sich dann entscheiden, ob man mit einem Guide weitergeht oder nur noch ein paar Meter weiter den liegenden Buddha sehen möchte. „Wir sind ja jetzt schon da“ und bezahlen 100 Baht für unseren Guide.  Eine vielleicht 40-Jährige Dame, die schon kräftig ihre Petroleum Lampe aufpumpt, als wir nach einem Scheinchen in unserem Bauchgürtel fischen. Die Tour soll ungefähr 20-25 Minuten dauern. Man soll auf gar keinen Fall alleine in die Höhle gehen, man würde nie wieder herauskommen, sagen die Schilder.

Unser Guide ist wirklich nett und spricht etwas Englisch. Alle Guides kommen aus der Local Community und verdienen sich damit noch etwas dazu. Am Ende der Tour ist es außerdem dringend erwünscht, noch etwas Trinkgeld zu geben.

Unser Guide geht voran und leuchtet mit ihrer Lampe den Weg. Zum Glück hat Anne ihr Weihnachtsgeschenk von ihrem Bruder, eine top Taschenlampe, dabei und leuchtet auch noch stark mit. Unser Guide ist sichtlich beeindruckt von der kleinen Taschenlampe und fragt, wie viel die gekostet hat. Etwas überrascht von der Frage, schätzen wir einen Betrag. Sie lacht und sagt ihre kleine Taschenlampe hätte ungefähr 3 Euro gekostet.

Es ist so einfach stockfinster in dieser Höhle und die Luft wird immer dünner. Schon nach ein paar Minuten kommen wir richtig ins Schwitzen.


Unser Guide zeigt uns…

… was wir hier nicht erwartet hätten.

Unser Guide zeigt auf einen Fels und sagt „Looks like an elephant“ und wir sagen „Ahh, yes, elephant“. Ja, wir haben uns auch schon abgewöhnt, Verben in unseren englischen Sätzen zu verwenden.

Die Tour geht immer tiefer in die Höhle und wir erfahren schnell, dass hier unten scheinbar ganz viele Tiere sind: Für den unwissenden Touristen mögen es nur Steine sein, aber unser Guide sieht ein Kaninchen, ein Tiger, eine Kuh, einen Bär, einen Baby Elefanten usw. Ab und zu zeigt sie auch auf etwas und sagt: „Looks like a frame – if you want, you can take a picture“.

In unseren Kopfkinos sehen wir die ganzen Touristen, die stolz im Stein–Bilderrahmen posieren und ein Erinnerungsfoto machen möchten, um dann zuhause sagen zu können „Look, I sit in a frame“.

Frau sitzt im Chiang Dao Cave
„You can sit here and take a picture“ sagt unser Guide. Gesagt. Getan.

Immer tiefer gehen wir in die Höhle und plötzlich sollen wir durch ein kleines Loch kriechen, es ist nur 1,5m x 1,5m groß. Unser Guide ist super schnell durch gekrabbelt und wir mühen uns wirklich ab, da durch zu kommen. Wie passen denn die ganzen 70-Jährigen hier durch? Langsam wird uns klar, dass wir anscheinend die „Jung und Fit“-Tour gebucht haben, denn unser Guide zeigt uns ganz besonders enge Wege und kleine Höhlen, in die wir reinkrabbeln.

Unser Guide führt uns schließlich noch zu einem wohl 50m tiefen Loch „Okay, wow – thank you“ sagen wir und wollen damit vermitteln, dass die Tour nun zu einem Ende kommen kann.

Frau klettert durch den Chiang Dao Cave
Das ist keine Pose auf einem Stein, sondern da ist Anna gerade durch die Öffnung gekrabbelt


Plötzlich wird es etwas zu tierisch!

Wir treten den Rückweg an und treffen auf eine andere „Jung und Fit“-Gruppe. Ein thailändisches Pärchen und ihr professionell ausgestatteter Höhlenguide in Flip Flops. Langsam steigen wir eine wirklich steile Treppe hinunter und plötzlich stoppt die ganze Truppe. Die Guides murmeln etwas auf Thai und machen uns klar, stehen zu bleiben. Dann sehen wir auch warum! Eine richtig lange Schlange (bestimmt 2m lang!) kommt die Treppenstufen nach oben, die wir gerade runtergehen wollen.

Sie kommt direkt auf uns zu: Links und rechts ausweichen geht nicht, also flüchten wir einige Treppenstufen hoch. Die Guides wirken auch etwas beunruhigt: Verständlich, wenn man Flip Flops in einer Höhle trägt und eine fette Schlange auf einer schmalen Treppe auf einen zukommt.

Flip–Flop–Guide holt ein paar Bröchtchenkrumen aus ihrer Hosentasche und wirft sie der Schlange hin. Sehr unbeeindruckt schlängelt sich diese um die Brotkrumen, sie ist wohl wirklich eine asiatische Schlange und hat für Brot nicht so viel über.

Anna sträuben sich alle Nackenhaare und sie ahnt schon, dass sie von dieser Schlange träumen wird! Tiere mit zu wenig oder zu vielen Beinen sind einfach nicht unser Ding! Zumindest nicht so nah! Die ganzen unechten Tiere aus Steinen waren uns eindeutig lieber!

Schlange auf einer Steintreppe im Chiang Dao Cave


Endlich Entwarnung!

Die Schlange hat sich entschieden die Treppe freizumachen und in eine kleine Höhle zu kriechen! Zum Glück! Wir steigen schnell die Stufen hinab und schauen jetzt noch genauer hin, was so vor und neben uns auf dem Weg schlängeln könnte. Die Tour ist zum Glück bald beendet und wir geben unserem Guide die empfohlene Menge an Trinkgeld (ca. 3Euro), denn sie hat uns wirklich einen schönen Stein-Zoo gezeigt.

Draußen müssen wir erstmal durchatmen und setzen uns auf eine Bank vor dem Chiang Dao Cave. Wir sind sehr froh wieder an der frischen Luft zu sein und stellen fest, dass Caves und Höhlen nicht ganz so unser Ding sind. Ein paar asiatische Omas sagen irgendetwas und machen irgendeine Handbewegung. „Ah so – wir sitzen auf dem Fotoplatz“ und sollen doch bitte weggehen, wenn wir hier keine Erinnerungsbilder schießen möchten. Wir stehen auf und nehmen unseren Rucksack. Zack schon sind die Omis schön platziert, das Foto-Smile brilliert und die Schnappschüsse gemacht.

Wir schnappen uns unsere Räder und suchen jetzt erstmal etwas Nettes, um an der frischen Luft Mittag zu essen.


Im Nachhinein können wir nicht ganz nachvollziehen, warum der Chiang Dao Cave so eine tolle Attraktion sein soll. Wir würden sie nicht auf die „Muss man mal gemacht haben“-Liste schreiben. Es war okay und zum Schluss auch etwas ungewollt aufregend. Um weitere Caves würden wir nun aber einen Bogen machen. An der frischen Luft fühlen wir uns auf jeden Fall wesentlich wohler!

Was wir in Chang Dao allerdings Grandioses entdeckt und wofür wir die Gegend lieben gelernt haben, das könnt ihr hier nachlesen!

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