PerspektiVan
Griechenland

Dog Diary: Der letzte Tag mit den Welpen und ein Happy End

Um 8:20 Uhr ist das Team Berta mit der zusätzlichen Welpen Besatzung bereits auf der Straße Richtung Tierarzt. Heute ist der große Tag: Die erste langersehnte Impfung steht an! Erst nach dieser Impfung dürfen Pepe und Mo auf die Pflegestelle und mit anderen Welpen spielen. Für uns wurde relativ schnell klar, dass wir die Welpen nicht im Wohnmobil behalten können, bis sie endgültig vermittelt werden können.


Pepe gefällt Autofahren überhaupt nicht und gibt uns dies lautstark zu verstehen. Selbst ein paar Leckerlis können ihn nicht umstimmen. Irgendwann legt er sich dann trotzig hin und gibt auf. Wir parken Berta direkt vor dem Tierarzt. Als wir die lila Box mit den beiden Kleinen aus dem Womo heben, drehen sich alle Köpfe zu uns. „Oh, they are sooo cute“, sagt eine Engländerin, eilt zu uns und zückt das Handy für ein Foto. Pepe bekommt noch einen Kuss auf die Stirn gedrückt. „Where did you find them?“ fragt der nächste Interessent, tätschelt die beiden über das Fell und macht ebenfalls ein Foto. Wir sind immer wieder überrascht, wie groß das Interesse an unseren kleinen Griechen ist. Menschen werden von Welpen wohl einfach magisch angezogen und unsere Exemplare finden alle besonders süß. „They will be big and beautiful dogs, you know?!“, bekommen wir oft gesagt.
Leider geraten dabei auch alle Corona-Regeln in Vergessenheit und wir treten zwei große Schritte zurück von unserer Box, sobald wieder jemand angeschossen kommt.

Aus unseren Flauschbällchen sind richtige Welpen geworden…

Endlich werden wir von der Tierärztin hereingerufen! Mit klassischer Musik im Hintergrund (es wirkt wirklich sehr pathetisch) werden die Welpen zum ersten Mal geimpft. Mo und Pepes Gesichtsausdruck lässt zwar wenig Begeisterung erkennen, aber die Welpen schlagen sich ganz tapfer bei der Prozedur. Außerdem sind wir neugierig: Wie viel haben die beiden denn in den letzten Wochen zugenommen? Starke 1,5 Kilo wiegen beide jetzt mehr! Wir hinterlegen die Spenden (vielen vielen Dank!!) bei der Tierärztin, womit alle zukünftigen medizinischen Kosten für die beiden Welpen bezahlt sind. Futter kaufen wir in Martas Pet Shop, die uns geholfen hat eine Pflegestelle zu finden.
Als sie die Welpen wieder sieht, meint sie: „They have grown!“ und beglückwünscht die Welpen zu den guten Dog-Mums.

… und wir wurden zu Hunde-Muttis.

Das stimmt! Wir sind wirklich richtige Hundemuttis geworden! Unsere Gespräche drehen sich weitestgehend um die Fragen: Hat er gepullert? Hat er getrunken? Haben sie genug gefressen? Hat er zu viel gefressen? Hat er eine Wurst gemacht? Ist er in die Wurst des anderen getreten – Bitte nicht!!

Der Unterschied von vor zwei Wochen ist unverkennbar: Aus unseren Flauschbällchen sind nun wirklich gesunde & muntere Welpen geworden!

Allein kann man die beiden fast gar nicht mehr bändigen, denn sie rennen einfach überall hin. Aus den Halsbändern können sie sich inzwischen auch befreien, wenn sie einmal richtig kräftig dran ziehen. Sie haben sich jetzt schon zu richtigen Kraftpaketen entwickelt und wir können nur erahnen, was aus diesen Welpen mal werden wird.

Schon am nächsten Tag können die beiden auf die Pflegestelle

Marta überrascht uns direkt nach der Impfung mit der Info, dass die Welpen schon am nächsten Tag von Sallie in die Pflegestelle aufgenommen werden können. Damit haben wir gar nicht gerechnet und sind ziemlich perplex. Ursprünglich sollten die beiden erst ein paar Tage nach der Impfung auf die Pflegestelle, damit die Impfung wirkt und die anderen Welpen auf der Pflegestelle nicht gefährdet werden. Die beiden bekommen aber wohl für ein paar Tage eine extra Unterkunft auf der Pflegestelle und können deshalb doch schon früher dorthin.

Nach einiger Zeit mit den Hunden im Womo, haben wir uns jetzt ein AirBnB genommen. Wir konnten uns irgendwann kaum mehr im Camper bewegen. Unter und neben dem Tisch standen zwei Hundeboxen, daneben Wasserflaschen, eine weitere Box mit Hundekram wurde von A nach B geschoben. Wie Flamingos staksten wir auf den wenigen freien Flächen herum. Nur im Bad konnte man sich noch einmal im Kreis drehen. Irgendwann befanden wir diese Situation als „nicht mehr auszuhalten“ und buchten ein AirBnB mit etwas mehr Platz für uns alle. Wir hatten inzwischen so einige Bedürfnisse: Parkplatz für Berta, Garten für die Welpen, Waschmaschine und WLAN für uns.

Spielen macht so müde!

Der Abschied kommt in weniger als 24 Stunden

Nach dem Impf-Termin fahren wir die kurvigen Straßen zurück zu unserem AirBnb in Nydri. Nur noch eine Welpen-Nachtschicht und ein Raubtierfütterungs-Frühstück mit den beiden. Es ist ganz seltsam. Die letzten zwei Wochen waren eine Achterbahn der Gefühle und ein hin und her zwischen Behalten und Abgeben der Welpen.

Am Abend nehmen wir noch ein paar Videos auf, von den Kommandos, die wir ihnen beigebracht haben. Sie beherrschen mittlerweile “Sitz” und “Platz” und machen das heute Abend besonders gut (selbstverständlich machen sie das alles ausschließlich gegen Leckerlis – ohne Leckerlis haben sie “noch nie” von irgendwelchen Kommandos gehört). Annes Nachtschicht ist die beste Nachtschicht seit langem: Nur zweimal müssen die beiden in der Nacht raus zum Strullern. Am Morgen fressen sie, als hätten wir ihnen 14 Tage nichts zu Fressen gegeben (wie immer). Die späteren Besitzer brauchen unbedingt große Futternäpfe, in die eine ordentliche Portion reinpasst!

Am nächsten Morgen sitzen wir auch schon wieder zu viert im Wohnmobil und fahren zu Marta und ihrem Pet Shop. Dort warten Marta und Sallie bereits darauf, die kleinen in Empfang zu nehmen. Die Tierärztin kommt nochmal raus und informiert Sallie, dass alle zukünftigen medizinischen Kosten für die beiden Welpen bereits bezahlt sind. Damit kommen bezüglich Pepe und Mo keine Kosten auf die Pflegestelle zu, was ein Segen ist!

Denn Sallie berichtet uns, dass sie im Moment 21 Welpen zu versorgen hat! Eine Wahnsinns-Aufgabe!

Alle medizinischen Kosten und eine Menge Futter konnten wir durch die Spenden finanzieren!

Ein großer Zufall: Die Pflegestelle und unser AirBnb sind im gleichen Ort

Sallie bietet uns an, dass wir die beiden auch gerne in der Pflegestelle besuchen kommen können.

Diese ist in Nydri! Neeeeein! In genau diesem Ort ist doch auch unser AirBnb! Was für ein Zufall! Wir waren vor ein paar Tagen quasi zufällig schon in der Nähe und wissen ungefähr, wo es ist. Dann geht alles ganz schnell, wir bedanken uns bei Marta und Sallie für ihre Hilfe und wir steigen in unser Wohnmobil ein. Die Welpen sitzen bereits bei Sallie im Auto und wir fahren los.

Nächste Mission: Aus dem Mobil wieder ein WOHN-Mobil machen

Unser nächster Stop: Der Car Wash! Mit der Druckluftpistole schießen wir die letzten Kügelchen des Trockenfutters aus dem Fußraum. Der riesige Staubsauger saugt den Staub und Sand der letzten zwei Wochen aus jeder Ritze. So langsam sieht unser Auto wieder aus, wie ein Wohnmobil, in dem man auch leben kann. Und nicht mehr wie eine fahrende Hunde-Auffangstation.

Als wir zurück im AirBnb sind und eine Waschmaschine angeworfen haben, fragt Anne „Was sie jetzt wohl machen? Ob sie schlafen?“

Und dann rollen die Tränen

Jetzt kommt er: Der Abschiedsschmerz trifft uns direkt ins Herz. Die ersten Tränen kullern.

Wir schauen uns alle Videos und Bilder an, die wir von den Kleinen gemacht haben. Wir bestaunen, wie groß sie geworden sind und lachen über ein Video, wo Mo sich selbst Mut zubellt und einen kleinen Hügel runterspringt. Sie sind uns so sehr ans Herz gewachsen und wir wissen nicht, ob es eine gute Idee ist, die beiden am nächsten Tag zu besuchen. Vielleicht würden wir sie dann einfach wieder einpacken, wenn wir sie wiedersehen.
Wir hatten sehr viel Spaß mit den Kleinen, haben über ihre Tollpatschigkeit gelacht und uns gefreut, wenn sie auf uns zu gerannt kamen. Jetzt ist es irgendwie erstaunlich ruhig: Kein Jaulen, kein leises Bellen im Schlaf und keiner flitzt über die Terrasse.

Bei der Abgabe ging alles so schnell und irgendwie hatten wir uns gar nicht so richtig verabschiedet. Außerdem wollte das Schicksal wohl, dass unser AirBnB und die Pflegestelle nur 10 Minuten auseinander liegen.
Wir satteln am nächste Tag die Fahrräder und fahren zum Gelände der „Little Friends. Während wir einbiegen, kommt Sallie gerade mit dem Auto an und lässt uns gleich in das Gehege von den beiden Kleinen.

In England werden die beiden bereits erwartet!

Sie sind noch getrennt von den anderen Hunden, aber bekommen nun endlich schon ein bisschen Hundekontakt. Wir knuffen die beiden ordentlich und Pepe holt sich eine große Kraulration. Sallie erzählt uns, dass „Joe“ (Mo) bereits vermittelt ist und auch Pepe hat einen etwas anderen Namen erhalten. Beide werden über die Big Paws Organisation nach England vermittelt – Sie werden also British-Boys. Das ist genau das richtige Klima für die beiden und wir sind sehr glücklich, dass sie schon bald eine große Reise in ihr permanentes Zuhause antreten können.

Die zwei Welpen haben uns so richtig gefordert…

Es gibt also ein Happy End, aber wir sind ganz ehrlich: Es war nicht einfach mit zwei kleinen Welpen im Wohnmobil zu leben. Welpen sind sehr süß und niedlich, wenn man sie für 5 Minuten sieht oder im vorbeigehen streicheln kann. Zwei Welpen ist ein Welpe zu viel, für ein fahrendes Zuhause ohne Zaun und Garten. Wir konnten sie nicht einfach unbeobachtet vor das Wohnmobil setzen oder anleinen. Sobald der eine schläft, ist der andere wach und will beschäftigt werden. Und wenn sie einander sehen, dann wird Tag und Nacht (!!) gerauft. Wir wissen auch, dass wir nicht die richtigen Halterinnen für Herdenschutzhunde sind. Sie brauchen erfahrene Hundehalter, eine konsequente Erziehung und später eine große Schafherde oder einen großen Hof, für den sie zuständig sein dürfen. Daher ist so ein Leben im Wohnmobil nicht gerade passend für die beiden Moppel.

… und auch die Wohnmobile Probleme mussten wir in den Griff bekommen.

Während wir die Welpen also pflegten, waren natürlich so normale Wohnmobil-Probleme nicht einfach ausgeschaltet: Aus unseren Wasserhähnen kam plötzlich kein Wasser mehr, die Truma Standheizung zündete nicht, als wir duschen wollten und der Urinbehälter der Trockentrenntoilette tropfte. Und während wir mit einer Hand versuchten, das alles zu reparieren, kümmerten wir uns mit der anderen um die beiden Welpen, die jammernd unterm Tisch saßen und beschäftigt werden wollten. In diesen Momenten kam alles zusammen und unsere Nervenkostüme wurden dünner.

Irgendwie haben wir aber alles gemeinsam geschafft! Anna konnte den Wackelkontakt im Wassertank finden und die Wasserhähne funktionierten wieder. Im Frischluftkamin der Truma haben sich Wespen eingenistet (ja Wespen!). Mit Pinzetten und einem Bistrolöffel fischen wir die Waben raus, damit der Heizer wieder Luft anziehen kann – Juhu, wieder warmes Wasser! Anne spielt die Welpen müde und während sie in der Box schlafen, kaufen wir schnell Silikon im Baumarkt, um den Toiletten-Kanister wieder abdichten zu können. Als Team geht alles – und diese Zeit hat uns wieder gezeigt: Wir schaffen das schon!

Humor hilft (fast) immer!

Mit viel Humor (sehr viel Humor!), Teamgeist, Konsequenz und Durchsetzungsvermögen haben wir unseren ersten Welpenkurs gemeistert. Wir sind stolz wie Bolle: Auf uns beide als Paar und auf die kleinen Racker und ihre Entwicklung. Sie hören auf ihre Namen und beherrschen (wenn sie wollen) die Kommandos “Komm”, “Sitz” und “Platz”. Teilweise verstehen sie was „Aus“ bedeutet (verstehen heißt natürlich nicht, dass sie das auch befolgen möchten 😉 ). Es ist wahnsinnig erstaunlich, was die beiden „Genies“ in NUR zwei Wochen gelernt haben.

Marta meinte noch zu uns, dass die beiden es vielleicht noch eine Nacht am Straßenrand geschafft hätten. „Wir haben ihnen wahrscheinlich das Leben gerettet“ sagt Anna. Wir sind so unglaublich froh, sie gefunden zu haben. Denn sie sind zwei ganz liebenswerte Knuffs, die sich jetzt auf ein liebevolles zu Hause in Great Britain freuen dürfen!

Happy End!

Wir möchten uns auch ganz herzlich für die ganz tolle Unterstützung von euch großzügigen Spendern bedanken! Mit eurer Hilfe konnten wir für beide Hunde die vollständigen Kosten für die zukünftige medizinische Versorgung inklusive der Chips, der EU-Ausweise etc. beim Tierarzt bezahlen. Einen großen Sack voller Futter für die weiteren Wochen war auch noch drin. Vielen Dank an Maria und Bettina, für die spontane Hilfe und an Marta und Sallie, die sich jetzt um die beiden Racker kümmern, bis sie alt genug sind, um zu ihren Familien nach England reisen zu können!

Ein ganz herzlicher Dank geht an unsere Spender:

Britta & Andreas, Beate & Georg, Johanna, Familie Körber, Anita & Cornelius, Lisa & Jörn, Agathe, Anita E., Luise & André, Charlotte, Britta W., Herby, Patrick, Nathalie

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