Thailand

Das geheime Rezept der Tom Yum Paste

Am besten erkundet man ein Land doch über den Geschmack! Wir gehen deswegen in einem veganen Kochkurs mitten in Chiang Mai auf kulinarische Entdeckungsreise und erfahren das geheime Rezept der Tom Yum Paste von einer Thai-Köchin.


In den grünen Kochschürzen stehen wir gespannt vor unseren Woks und schauen erwartungsvoll auf die perfekt portionierten kleinen Zwiebeln, Tomaten und Limettenscheibchen, welche vor uns in Schüsselchen bereit stehen.

Wir sind vier Teilnehmerinnen (wir beide und vermutlich zwei Koreanerinnen) im wohl besten veganen Kochkurs in Chiang Mai. May Kaidee, unsere Kochlehrerin, heißt uns herzlich willkommen uns fragt uns nach unseren Namen: „Anne und Anna“, antworten wir.

Sie lacht und ruft „Same, same“. Dies ist in Asien ein Ausdruck dafür, dass sich etwas sehr ähnelt, aber doch etwas unterschiedlich ist. In den nächsten drei Stunden werden wir mit Hilfe von May Kaidee die Rezepte für die Tom Yum Paste und eine Erdnusssauce erfahren und sechs original thailändische vegane Speisen zaubern.

Gasherd an und los geht’s!

Wir starten direkt mit der roten Tom Yum Paste, da wir diese später noch als Zutat für einige weitere Gerichte brauchen werden.

Die Köchinnen mit ihren grünen Schürzen sind bereit und May Kaidee legt los. Die erste Anweisung ist:  Gasherd auf 7 Uhr einschalten. May Kaidee korrigiert nochmal: „No! This 8 o’clock, now 7 o’clock“ ruft sie in einem sehr verständlichen Englisch, aber mit der typischen Abwesenheit von Verben.

Zutaten für das Tom Yum Rezept
Alle Zutaten für das Tom Yum Rezept stehen schon portioniert bereit

Das Tom Yum Rezept ist nirgends aufgeschrieben. „Your Homework“, sagt May Kaidee. Wir können uns das niemals merken und so schnell werden wir vermutlich nicht mehr die Chance haben, das Originalrezept einer Thai-Köchin zu bekommen. Also versuchen wir mit unseren Woks zu brutzeln und gleichzeitig die Zutaten und Abfolge für diese super leckere Paste mitzuschreiben.

May Kaidee gibt uns immer vor, wann wir die nächste Zutat in den Wok werfen können. Sie ist ausgesprochen aufmerksam und hat einen Überblick über all unsere Woks. Mit einem Blick in den Wok weiß sie sofort, ob die Temperatur höher oder niedriger gedreht werden sollte oder ob noch Öl fehlt.

Frisches Gemüse im Wok in Thailand

Außerdem sagt sie „Cooking is like singing a song“ und singt „Smash, smash, smash, stir, stir stir“ und tanzt zum nächsten Wok, um dort hineinzugucken und der Schülerin hilfreiche Tipps zu geben.


Zutaten für das beste original thailändische Tom Yum Rezept

  1. 5 Teelöffel Soyaöl in die Pfanne geben und heiß werden lassen. Ein kleines Stück Karotte zur Probe in das Öl werfen und testen, ob es brutzelt und somit heiß genug ist
  2. Kleingeschnittene Zwiebel und Karottensticks andünsten
  3. Hitze reduzieren und Chili und Knoblauch hinzugeben, bis der Knoblauch goldfarben ist
  4. 1 Teelöffel Zucker, 1 EL Soyaöl, 1/3 Limettensaft in den Wok hinzugeben
  5. Alles in den Mixer geben und gut pürieren
  6. Die pürierte Paste wieder in den Wok und so lange unter gelegentlichem Rühren erhitzen, bis sie dunkelrot wird

Die fertige Tom Yum Paste ist 1 Monat im Kühlschrank haltbar.


Die Erdnusspaste ist zum Reinlegen

Nachdem wir uns nun warmgekocht haben, geht es auch schon weiter mit Rezept Nummer 2: Eine Erdnusspaste, die wir später für das Padthai benötigen. Auch diese gelingt uns – Dank May Kaidee – ausgesprochen gut und schmeckt super lecker. Wir sind begeistert!

Schon oft haben wir das Massaman Curry bestellt, jetzt kochen wir es zum ersten Mal selbst

Wir behalten das Tempo  bei und gehen direkt zu Gericht Nummer 3: Ein Massaman Curry. Die Besonderheit dieses Curries ist, dass es eher süßlich, weniger scharf und zudem mit Süßkartoffeln gekocht wird. Es ist also für den europäischen Magen sehr gut geeignet!

Frisches veganes Massaman Curry mit Tom Yum Paste
„Eat with the eyes“ sagt May Kaidee

Unser fertiges Massaman Curry dürfen wir nebenan im Restaurant genießen. Es schmeckt köstlich! Ziemlich schnell haben wir unsere Teller geleert und sind bereit für die nächste Runde.

May Kaidee hat schon alle Zutaten für den nächsten Teil angerichtet. Es ist ein bisschen wie in einer Kochshow: „Ich habe da schon mal was vorbereitet“

Nach der Halbzeit treffen noch eine Amerikanerin und ihr Sohn ein. Der junge Mann bindet sich die grüne Schürze um und Mutti zückt ihr Handy und macht direkt einen Schnappschuss. „Mom! Not yet, I did not even cook anything“ murmelt er. War ihm wohl alles ein wenig peinlich – Schwieriges Alter. Nennen wir den Teenager einfach „Kean“.

Rote vs. grüne Chili Paste – scharf oder schärfer?

Jetzt dürfen wir uns an die grüne und rote Chili Paste wagen. Der Unterschied ist, dass die grüne Sauce schärfer ist, da sie aus frischen grünen Chilis hergestellt wird. Die rote Chili Paste könnte man zwar auch mit frischen Chilis machen, allerdings werden für die rote Paste meistens getrocknete und in Wasser eingelegte Chilis verwendet. Diese geben mehr Farbe ab und sind weniger scharf.

Wir stampfen alles im Mörser und stellen beide Varianten der Paste her. Dann sollen wir kosten und entscheiden, ob wir rotes oder grünes Curry machen möchten. Rot, auf jeden Fall rot! Die grüne Paste ist echt..huiii. scharf! Sehr sehr scharf!

Anna kocht ein rotes Curry und Anne ein „weißes“ (ohne Chili Paste – ohne scharf). Wir werfen wieder Gemüse und Kokosmilch zur Paste in den Wok. Herrlich!

Auch in Thailand essen die Augen mit

May Kaidee ist es auch wichtig, dass wir das Essen immer schön anrichten „Make it look pretty“ sagt sie immer wieder. Wir streuen daher noch ein paar Frühlingszwiebeln über das Curry und versuchen, es so schön wie möglich aussehen zu lassen. Nachdem wir auch dieses Essen verputzt haben, nähern wir uns schon fast der Zielgeraden.

Nun kommen wir zur Tom Yum Suppe – die kochen wir mit Gemüse, Wasser, Soyasauce und natürlich unserer tollen Tom Yum Paste. May Kaidee geht herum, schaut in jeden Wok und sagt „Mhm sour, sweet and spicy?!“, probiert und sagt „Yes, sour, sweet and spicy!“. Die Frau kann den Geschmack sehen! So geht sie zu jedem Schüler und macht zunächst den Blicktest, um danach den Geschmack zu überprüfen.

Wusstet ihr, dass die Tom Yum Suppe im März 2020 zum immateriellen Weltkulturerbe erklärt werden soll? Zurecht, denn sie schmeckt so ausgesprochen gut!

Danach machen wir auch noch ein tolles Padthai, das wir zusammen mit der Erdnusssauce vom Anfang essen sollen. Die Tom Yum Suppe schaffen wir gerade noch so. Das Padthai müssen wir mitnehmen und später essen, wir sind so satt! Mehr geht nicht mehr, ausser vielleicht noch die Nachspeise!

Die Mutter aller Thai-Desserts: Mango Sticky Rice

Letzte Runde: Blauer Mango Sticky Rice! Jetzt übernimmt ein Kollege die Kochanleitung und erklärt uns mit gebrochenem Englisch und mit noch viel weniger Verben, was man machen muss. Wir hören aufmerksam zu und versuchen alles gut zu verstehen. Ihm ist besonders wichtig, dass der Reis „mooshy“ sein soll, also klebrig und durchgekocht. Er spricht dieses Wort dabei jedes Mal so aus, wie ein anderes deutsches Wort, welches nunmal einfach gar nicht in den Kontext passt – Er hat sich bestimmt gewundert, warum wir so schmunzeln. Den blauen Mango Sticky Rice dürfen wir mit frischer Banane und Mango auf Tellerchen anrichten –  sieht sehr schön aus und schmeckt auch super super gut.

Und jetzt alle … !

Und weil es May Kaidee am Herzen liegt, dass wir uns nach dem vielen Essen jetzt auch noch ein bisschen bewegen, zeigt sie uns ein paar thailändische Tanzschritte. Unserem amerikanischen Teenager Kean ist es so unangenehm, er setzt sich auf einen Stuhl und schaut peinlich berührt auf den Boden. Seine Mutter und wir versuchen irgendwie mit May Kaidees Tanzeinlage mitzuhalten: Hände verdrehen, nach links und rechts schaukeln, locker in der Hüfte und mit einem imaginären Waschbrett „swoosh swoosh swooosh“ Wäsche waschen. Geht man nach Keans Gesichtsausdruck, war es wohl nicht sehr ästhetisch, aber es hat Spaß gemacht.

Als May Kaidee uns die grünen Schürzen abnimmt, sind wir total satt und happy. Es hat so viel Spaß gemacht, die drei Stunden vergingen wie im Flug und wir haben sehr viel mitgenommen! Es war mit Abstand das leckerste Essen, welches wir in Thailand gegessen haben. Danke May Kaidee!

Zwei Frauen halten Schüsseln mit der Tom Yum Suppe und lachen

Die veganen Kochkurse von May Kaidee finden in Bangkok, Chiang Mai und New York statt: https://www.maykaidee.com/


Wer nun Lust hat von uns bekocht zu werden, der kann sich gerne ab Mitte März einen Tisch bei uns reservieren lassen.

UPDATE: Tische bei uns leider schon ausgebucht!

4 Kommentare

  • die Schwägerin

    Hehe, die Adresse zu den Kochkursen musste ich mir gleich mal zu den Lesezeichen hinzufügen 🙂 Habt ihr zufällig bei dem Erdnuss-Saucen-Rezept mitgeschrieben und das Rezept verfügbar?
    Es sieht total super aus. Man möchte Thai essen gehen 🙂

  • Beate

    Hallo Ihr Lieben!

    Es ist sooo vergnüglich Euren Reiseblog zu lesen!
    Vielen Dank!
    Und einen Tisch in Franken würde ich sehr gerne reservieren 😉

    Liebe Grüße,
    Beate

    • Anne und Anna

      Ist natürlich schon reserviert 😉 Im Tausch gegen frischen Feldsalat, Kartoffeln mit Quark und Bratkartoffeln 😀 darauf freuen wir uns nämlich schon wieder richtig!

    • Betty

      Da kann ich ja mal meinen Wok aus dem Keller kramen und mich an der Tom Yum Paste versuchen. Das Rezept für die Suppe hätte ich dann gerne mal, wenn ihr die auch mitgeschrieben habt. Muss ich mir dann ja selber kochen, da eure Tische schon ausgebucht sind 🙄.

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