PerspektiVan
Griechenland

Mit dem Wohnmobil nach Griechenland: Camping on board von Ancona nach Igoumenitsa

Es ruckelt und rattert: Der Seegang ist auf der Fähre schon bei Abfahrt im Hafen zu spüren. Anna knuspert deswegen lieber schonmal eine Reisetablette. Ob das nun 17 Stunden so weitergeht? So lange dauert die Fahrt mit der Fähre von Ancona in Italien bis nach Igoumenitsa in Griechenland. Wir wollen bei angenehm milden Temperaturen unser Winterlager in Griechenland aufschlagen. Da wir für die Fähre von Italien nach Griechenland die „Camping on board“ Option buchen konnten, müssen wir unser Wohnmobil gar nicht verlassen. Einfach in Italien auf die Fähre fahren, im Wohnmobil im eigenen Bett schlafen und am nächsten Tag in Griechenland von der Fähre rollen.


Unser Plan: Überwintern in Griechenland

Nachdem wir nun einige Wochen an unserem Campervan geschraubt und über den Sommer in Deutschland unterwegs waren, steht jetzt schon spürbar der Winter vor der Tür. Da unsere Wohnung mit ihren 4 Rädern mobil ist, beschließen wir, dass wir den Winter lieber an den Stränden in Griechenland verbringen möchten. Tschüss Sauwetter – Hallo Meeresrauschen!

Reisevorbereitungen in Corona-Zeiten – was ist wichtig?

Bevor wir Deutschland verlassen, müssen wir aber noch einiges vorbereiten für unsere Reise bis nach Griechenland. Jedes Land hat unterschiedliche Regelungen für Wohnmobile und momentan natürlich auch spezielle Corona-Bestimmungen, über die wir uns im Vorfeld informieren. Eigentlich ist es total spannend, auf dem Landweg gemütlich durch die vielen verschiedenen Länder bis nach Griechenland zu fahren. Aber in der aktuellen Corona Situation ist es eben einfacher, möglichst wenige Ländergrenzen passieren zu müssen. Wir wählen deshalb den Weg über Österreich und Italien mit der Fähre.

Für die Strecke durch Österreich holen wir uns beim ADAC eine elektronische Vignette für 10 Tage (Kosten 9,40 € Maut in Österreich) sowie Kartenmaterial für Italien und Griechenland. Die gute ADAC Dame gibt uns außerdem noch das ganze Kartenmaterial für den Landweg mit – ob wir das brauchen? Mal sehen! Spezielle Corona-Regelungen für den Transit durch Österreich gibt es aktuell nicht – Kontrollen an der Grenze o.ä. haben wir auch nicht erlebt.

In Italien brauchen wir ein Warnhinweisschild für den Fahrradträger, da er nicht fest mit dem Auto verbunden ist und damit als überstehende Last gilt. Den günstigsten Preis für das Schild (auch gleich mit passender Rückseite für Spanien) haben wir ► hier gefunden. Außerdem recherchieren wir die ungefähren Mautkosten (► Mautrechner Italien) für die italienische Autobahn anhand unserer Fahrzeugklasse (► Maut in Italien). Genügend Bargeld für die Mautstellen legen wir auch schon mal beiseite.

Vor der Einreise nach Griechenland muss das ► Passenger Locator Formular (PLF) vorab ausgefüllt werden. Dies muss 72 bis 48 Stunden vor Einreise nach Griechenland erledigt werden.
Personen desselben Haushaltes müssen nur ein Formular ausfüllen! Wenn man das Formular online ausgefüllt und abgeschickt hat, erhält man eine Bestätigungsemail. Die Email unbedingt speichern, denn diese wollen die Hafenmitarbeiter beim Check-In zur Fähre sehen, ansonsten kein Check-in! Um kurz nach Mitternacht am Einreisetag nach Griechenland erhält man dann noch einen QR Code per Email, welchen man beim Ausschiffen im griechischen Hafen vorzeigen muss.

Camping on board mit Anek Lines

Die Fährtickets haben wir über ► Greek Ferries eine Woche vor Abreisetermin gebucht. Für zwei Personen + Wohnmobil mit 6 Metern Länge, haben wir für unsere Überfahrt von Ancona nach Igoumenitsa 290 Euro gezahlt (inkl. 25% ADAC Rabatt). Die „Camping on board“ (kurz COB) Option gibt es zwar bei mehreren Fährgesellschaften, aber nur bei ► Anek Lines kann man auch wirklich im Wohnmobil auf dem offenen Deck übernachten.
Bei den anderen Fährgesellschaften erhält man eine Kabine. Mit Kabine heißt das dann nicht „Camping on board“, sondern „Camping all inclusive“. Wahrscheinlich ist es Corona geschuldet, aber es gab noch viele freie Camper Plätze auf unserer Fähre. Es kann aber auch daran liegen, dass die Saison in Griechenland bald endet. Camping on board wird nur von April bis Ende Oktober angeboten. Im Winter ist es aufgrund von Stürmen etc. zu gefährlich im eigenen Camper auf dem offenen Schiffsdeck zu schlafen.

Camping on board
Mit der Hellenic Spirit Fähre von Anek Lines geht es von Ancona nach Igoumenitsa

Die Anreise mit dem Wohnmobil nach Italien

Von Göttingen bis nach Ancona sind es ca. 1200 Kilometer. Wir teilen die Strecke in mehrere Etappen ein und fahren ca. 300 bis 380 Kilometer pro Tag. Zum Übernachten haben wir die Autobahn verlassen, da es besonders in Italien nicht empfehlenswert ist, auf Autobahnraststätten zu übernachten. Über die App Park4Night haben wir sichere und kostenlose Stellplätze in der Nähe der Autobahn gefunden.

Hier haben wir für euch unsere Stellplätze auf der Strecke nach Italien mit den GPS Daten verlinkt:

  • Wohnmobilstellplatz kurz vor der Grenze nach Österreich in Neubeuern (Am Sportplatz; GPS: 47.7760,12.1430)
  • Parkplatz kurz vor Verona in Rivoli Veronese (Via Brol; GPS: 45.5703,10.8110)
  • Wohnmobilstellplatz in Ancona (Via Bruno Leoni; GPS 43.5915,13.5197) nur 15 Minuten bis zum Hafen

Mit dem Wetter haben wir Glück: Auf der Brennerautobahn liegt heute zwar kein Schnee (ein paar Tage vorher lag schon Schnee)! Es ist allerdings sehr windig und wir fahren langsam, denn die Seitenwinde merken wir mit unserer Höhe ziemlich.

Das Passieren der Grenzen nach Österreich und Italien funktioniert einwandfrei. Ganz so wie wir es eben aus Europa kennen – keine Kontrollen – einfach durch.

In Ancona gehen wir nochmal einkaufen. Als absolute Kaffee-Fans brauchen wir natürlich etwas italienischen Espresso. Vielleicht wurde aus „etwas“ dann 7 Packungen feinster Espresso. Naja was muss das muss 🙂 Außerdem wandern Pasta, passierte Tomaten, gutes Olivenöl und italienische Kekse in den Camper.

Check-In im Hafen von Ancona

Das Hafenbüro macht um 8:00 Uhr morgens auf. Um kurz vor 10:00 Uhr stehen wir mit Wohnmobil, allen Dokumenten und Mundnasenschutz dort auf der Matte. Vor der Eingangstür warten bereits zwei Security Personen und versuchen uns verständlich zu machen, dass nur eine Person den Check-In durchführen darf. Als Head of Logistics geht Anna, Anne wartet. Nach einem kurzen Fieber-Check darf man das Hafengebäude betreten und den Ticketschalter seiner Fährgesellschaft suchen.

Zum Check-In werden benötigt:

  • Die Reservierungsnummer für die Fährfahrt aus der Buchungsemail
  • Außerdem ein ausgefülltes Formular jedes Reisenden, dass man kein Corona und keine Anzeichen einer Erkältung hat. Das Formular wird einem von der Fährgesellschaft ebenfalls bei der Ticketbuchung per Email zugesendet und muss ausgedruckt werden. Dieses Formular wird einem später im Hafen dann wieder abgenommen.
  • Der KFZ-Schein – für Camping on Board muss das Fahrzeug als Wohnmobil eingetragen sein
  • Pässe/Reisepässe aller reisenden Personen
  • Ggf. die ADAC Mitgliedskarte, wenn man bei der Buchung angegeben hat, dass man ADAC Mitglied ist und somit 25% Rabatt bekommen hat
  • Die Passenger Locator Form Bestätigungsemail (kann auf dem Handy gezeigt werden)

Wenn alles durchgecheckt ist, bekommt man die Tickets sowie zwei Banner für die Windschutzscheibe mit der Aufschrift Open Deck und Igoumenitsa. Zum Schluss wird einem noch die Kai-Nummer und die Boarding-Zeit in einem Sprachgemisch aus Deutsch/Englisch/Italienisch zugenuschelt: Anna verstand Kai „6“ und Boarding 15:00 Uhr. Da es keinen Kai 6 gab, fahren wir eben zu 16 – hat dann auch gepasst.

Auf geht’s zum Kai 6 – nein 16!

Wir düsen durch einen Kreisverkehr hinter dem Hafengebäude in Richtung Car ferries. Bevor wir das Hafengelände betreten dürfen, werden unsere Tickets gecheckt. Wir werden durch gewunken und parken ganz vorne in der Womo-Spur. Wie die größten Streber stehen wir in der ersten Reihe, es ist nämlich um die Uhrzeit noch niemand anderes da, außer wir und ein einziger LKW.

Camping on board
Im Hafen von Ancona warten wir auf die Fähre nach Griechenland

Die Wartezeit bis zum Boarding überbrücken wir damit, das gute Internet des Hafens zu nutzen und uns Veggie Frikadellen zu braten. An Board ist nämlich der Gebrauch von Gas verboten. Also können wir dort nicht kochen. Ganz langsam füllt sich die Wohnmobil Reihe hinter und neben uns. Wir staunen nicht schlecht, mit welchen Mobilen die „Anderen“ so nach Griechenland fahren. Da ist alles dabei: Ein paar Pössl, Modell Weinsberg, ein grüner Sprinter, und ein paar kleine VW-Busse.

Während wir so warten, bekommen wir von einem Hafenmitarbeiter noch eine kleine Karte, um auf die Decks zu gelangen. Er nimmt uns im Gegenzug die Gesundheitsformulare ab.

Die Fähre kommt!

Und dann trudelt die Fähre gegen 16:00 Uhr ein und spuckt erstmal einige LKWs und Griechenland-Besucher aus. Nachdem die wartenden LKWs und PKWs neben uns bereits hektisch an Board gewunken wurden, deutet der Hafenmitarbeiter energisch auf uns. Anne lässt den Motor starten. Schnurstracks fahren wir als erstes Wohnmobil in der Reihe auf das obere Deck der Fähre, alle anderen Wohnmobile hinter uns her. Wir werden einmal auf dem Deck gedreht und nehmen dann die Parkposition ein. Unsere Enttäuschung ist groß!
Wir haben etwas Pech und stehen ein paar Meter zu weit im Schiffsinneren, um auf das Meer schauen zu können! Das bedeutet aber immerhin, dass wir windgeschützt stehen! Irgendwann finden wir unseren Frieden und lunzen ab und zu mal hinten durch unser Badezimmer-Fenster auf den Sonnenuntergang.

Camping on Board
Auf dem Open Deck stehen wir windgeschützt

„Huuuuppp huuuup, döööödööödööd, iiiiuuhhiiiiuuhh“ schallt es durch das gesamte Fahrzeugdeck. Einige Alarmanlagen der PKWs sind durch die Vibration angesprungen. Zum Glück hört es einfach so auch bald wieder auf.

Als wir schon dachten, dass wir hier das höchste Wohnmobil mit 3,3m sind, kommt noch eine Familie mit Expeditionsmobil! Nun haben die anderen neugierigen Wohnmobilbesitzer eine Ablenkung von dem Sprinter, „der ganz schön hoch ist“. Die Familie mit dem Expeditionsmobil werden wir ein paar Tage später in einer kleinen wunderschönen Bucht zufällig wiedertreffen!

Die erfahrenen IT-GR Überfahrer wissen sofort, was nach dem Parken auf dem Deck zu tun ist: Man schnappt sich den Stab bei den Mülltonnen und angelt die Steckdose von der Decke nach unten. Da hat sich also der 230 V Landstrom versteckt! Wir verzichten, denn unsere Aufbaubatterie ist nach der langen Strecke und der italienischen Sonne im Hafen so gut wie voll geladen.

Abfahrt aus Ancona – Sicht aus dem Open Deck

Gute Nacht, Italien!
Guten Morgen, Griechenland!

Nach einem kleinen Abendbrot und ein paar Folgen Netflix fallen uns die Augen zu und wir ins Bett. Am nächsten Morgen staunen wir nicht schlecht, als wir die griechische Küstenlandschaft durch die offenen Fenster erblicken „Kalimera, Griechenland!

Ein paar Happen frühstücken wir noch und dann kommt auch schon die Durchsage: „Die Abfahrt für die Passagiere nach Igoumentisa ist SOFORT“ und man soll sich SOFORT hinters Steuer begeben! Auf so Schiffen wird nicht lange gebeten – das muss zack zack gehen! Ein Hafenmitarbeiter knöpft uns noch die Zugangskarte für die Decks ab und schon werden wir wieder energisch rausgewunken. Ein Wohnmobil ist zum Glück vor uns und wir hängen uns als Zweite dran. Die scheinen einen Plan zu haben, wo es aus dem Hafen rausgeht. Wunderbar, wir nämlich nicht!

Kurz vor Ende des Hafens winken zwei Hafenmitarbeiterinnen mit Masken und verlangen den QR-Code. Wir zeigen das Handy durch das Fenster mit dem Code, irgendwas wird auf einem Zettel notiert und wir werden durchgewunken: “You may go!
Kein Corona-Test – Hallo Griechenland, wir sind jetzt da!

Teile diesen Beitrag mit deinen Freunden oder speichere ihn für dich:

12 Comments

  • Herby

    Hallo, ihr Zwei.
    Lese mit großem Vergnügen eure Berichte.
    Eure Begeisterung und Freude ist in jedem Satz zu spüren.
    Die Geschichte mit den Welpen habt ihr toll gemeistert…….. Hut ab.
    Weiterhin wunderschöne Erlebnisse und alles Liebe……. bleibt gesund.
    Herby

    • Anne und Anna

      Hallo Herby! Es freut uns, dass dir unser Blog so gut gefällt! Das mit den kleinen Welpen ist und bleibt aufregend. Scheinbar haben die kleinen Griechen sogar schon ein deutsches Gespür für Pünktlichkeit entwickelt. Die Essenszeiten (9:00; 14:00 und 19:00) haben sie verinnerlicht und fordern ihr Futter inzwischen immer pünktlich ein. Durchschlafen müssen wir noch etwas üben, aber vielleicht findet sich ja auch bald ein liebevoller Besitzer für die Zwei, der das ihnen beibringen kann. Liebe Grüße, Anna & Anne

  • die Schwaegerin

    Wahnsinn, da denkt man sich beim Fruehstueck, man koennte ja mal wieder in den Blog schauen und dann seid ihr schon in Griechenland!

    Hut ab bei den Reisevorbereitungen – ich muss nur in zwei andere Laender und habe deshalb einen Stapel Papier mit Nachweisen und Quarantaeneplan und Bescheinigung, dass ich nicht zum Spass verreise, dabei.
    Respekt!.

    • Anne und Anna

      Ein bisschen überrascht waren wir auch, dass a) so schnell nach Griechenland ging (ok wir waren fast 5 Tage unterwegs) und b) dass die Einreise so unkompliziert war! Wollte denn jemand deine Stapel an Papieren sehen? Liebe Grüße, Anne & Anna

  • Sabine

    Mal wieder super geschrieben. Ihr beide habt wirklich Talent zu schreiben. Dann eine schöne Zeit in Griechenland. Wir werden an euch denken, wenn es hier kälter wird. A big hug 🥰

    • Anne und Anna

      Danke dir! Das freut uns sehr, wenn es Spaß macht, unseren Blog zu lesen. Wir werden ein paar griechische Sonnenstrahlen in die Schweiz schicken!

    • Anne und Anna

      Hallo ins Eichsfeld! Danke euch, wir genießen die Zeit und die Freiheit im Wohnmobil total! Passt auch gut auf euch auf und bleibt gesund! Liebe Grüße, Anna & Anne

  • Dirk

    Super geschrieben. Da hat sich unser dicker Schwarzer ja auch aufs Bild geschlichen. Wünschen euch ne tolle Zeit hier in Griechenland. LG Dirk

    • Anne und Anna

      Hallo Dirk! Vielen Dank! Ja stimmt, euer “Dicker” 😉 stand schräg hinter uns. Ihr hattet ja sogar Glück und etwas Meerblick abbekommen. Wir sind gespannt auf euer Video zur Überfahrt! Liebe Grüße in eine andere Ecke Griechenlands!

  • Georg

    Hi, spannend.
    Bin mit Herz & Hirn dabei. Ich riech das Meer, das Salz und den Caffe’.
    Ein Pfund Neid und und ein Kilo Bewunderung habt ihr Euch
    redlich verdient 😉.
    Fortsetzung freut.

    • Anne und Anna

      Lieber Georg, ja wir genießen den italienischen Kaffee mit Blick auf das Meer! das ist wirklich ein Traum! Aber nichts geht über den Neustadt Kaffee, da kommen nicht mal die Italiener ran 😉 Fühlt euch gedrückt! Liebe Grüße, Anne & Anna

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Consent Management mit Real Cookie Banner