Schweden

Anreise nach Schweden mit der Fähre

Der Frischwassertank ist randvoll, alle Fenster geschlossen, Proviant für unterwegs liegt griffbereit. Anne dreht den Zündschlüssel um und der Motor läuft. Wir geben uns ein „High-Five“ – unser Zeichen für „Los geht’s!“

Und da rollen wir wieder. Unser Ziel: Schweden. Eine Route? Nein, die haben wir nicht. Und auch sonst kaum Pläne, was wir dort in den nächsten zwei Monaten machen wollen. Irgendwie: Natur erleben, Fahrrad fahren, Wandern, in Seen schwimmen. Vielleicht fahren wir auch noch nach Finnland, mal sehen.

Während unserer Überwinterung in Griechenland steckten wir in einem sehr langen und harten Lockdown fest. Alle Restaurants, Cafés waren geschlossen, keinerlei archäologische Stätte o.ä. konnten wir besuchen. Die Überwinterung in Griechenland war trotzdem eine goldrichtige Entscheidung. Spätestens da haben wir es uns allerdings abgewöhnt, große Pläne auszutüfteln. Wir wollen uns einfach treiben lassen, links und rechts abbiegen, spannenden Schildern folgen und nur ein klitzekleines bisschen planen (das macht Anna als Head of Logistics und Fun Activities).

Eine „Schweden-Tour“ war lange Zeit nur eine Idee. Denn wir hatten nach Griechenland vieles zu erledigen: Das Salzwasser und die Offroad-Pisten haben ihre Spuren am Camper hinterlassen. Außerdem hatten wir einige Ideen für Optimierungen am Womo und es kamen nette Kooperationen zustande. So waren wir einige Zeit mit Aufträgen und Schrauben beschäftigt (zuletzt: Einbau Wasserfilter). 

Tatsächlich drückten wir erst am Sonntagmorgen auf den Button „Tickets kaufen“. Und schon hatten wir eine Fähre, die uns und Berta bereits am Donnerstag nach Trelleborg in Schweden bringen soll.

In diesem Reisebericht teilen wir unsere Erfahrungen zur Anreise mit der Fähre nach Schweden. Am Ende des Artikels findest du alle Tipps auch noch einmal zusammengefasst.

Anreise nach Schweden – Fähre oder Brücke?

Lange haben wir hin und her überlegt: Nehmen wir die Fähre nach Schweden? Oder fahren wir auf dem Landweg über die Öresundbrücke?

Letztendlich haben wir uns für die Fähre entschieden. Das war einfach günstiger und schneller, da wir nicht über Dänemark fahren müssen. Mit Corona ändern sich die Einreisebedingungen der Länder zwar relativ schnell. Aber wir sind doppelt geimpft und sollten so problemlos nach Schweden einreisen können.

Da wir die Fährtickets so spontan buchen, bekommen wir über die Startseite von TT-Line noch einen „Last Minute“-Rabattcode. Zwei Personen plus Wohnmobil mit 6,5m (wir haben Fahrräder dabei) kostet uns damit nur 94 Euro! Und da dachten wir: Mensch, jetzt gönnen wir uns auch mal was und buchen noch eine Kabine mit Meerblick für 49€ dazu. Spoiler: „Kabine“ und „gönnen“ würden wir jetzt im Nachhinein nicht mehr in einem Satz verwenden.. Insgesamt zahlen wir für die Überfahrt mit der Fähre 143 Euro, mit allem drum und dran.

Unsere Anreise nach Schweden beginnt etwas holprig

„Ohh, das wird länger dauern!“ raunen wir als wir die vielen roten Bremslichter sehen, direkt nach der Autobahn-Auffahrt in Nörten-Hardenberg. Keine fünf Minuten sind wir unterwegs und schon stecken wir in einem schönen Stau! 45 Minuten im Schneckentempo. Dabei hatten wir den überragenden Plan, bis 20 Uhr einen Stellplatz kurz hinter Hannover zu erreichen und dort gemütlich Tagesschau und Tatort zu gucken. Das schaffen wir jetzt leider nicht mehr rechtzeitig.

Hilft ja nichts. Also Musik an und Abendbrot im Fahrerhaus. Anna serviert die selbstgemachten (und wohl allerbesten) veggie Frikadellen, die sogar schon mal einen überzeugten Fleischesser zu „Mhhm, schmeckt gar nicht mal so schlecht“ hinreißen ließen.

Wir kriechen über die Autobahn und fragen uns: Woran denkst du, wenn du an Schweden denkst?

Anne sagt: Schwedische Flagge, Elche, Zimtschnecken, Seen, kleine rote Häuser

Anna sagt: Fika (also schwedische Kaffeekultur), Loppis (eine Art Flohmärkte), Mücken, düstere Krimis

Wir schreiben alles auf. Mal sehen, wie wir nach der Schweden Tour unsere Vorstellungen korrigieren oder ergänzen können.

Mit der Fähre „Nils Holgersson“ geht es von Travemünde nach Trelleborg

Am Abend vor der Anreise mit der Fähre nach Schweden, besorgen wir in Lübeck noch ein paar Lebensmittel und füllen unseren Frischwassertank. Auf einem kostenlosen Stellplatz (Kowitzberg 11, 23570 Lübeck), der nur 10 Minuten Fußweg von der Ostsee entfernt ist übernachten wir. Die Fahrt zum Travemünder Hafen ist von hier aus nicht mehr weit.

Unsere Erfahrungen mit TT Line auf dem Weg nach Schweden

„Wir sind eingecheckt. Das war ja unkompliziert“ sagt Anna. 48h vor Abfahrt der Fähre können wir uns online einchecken, was wirklich schnell erledigt ist. Per E-Mail bekommen wir von TT Line sogar noch die ganz konkreten Koordinaten des Hafens in Travemünde zugeschickt. Wir haben uns schon wieder ratlos über das Hafengelände cruisen sehen – aber nein. Hier ist alles top organisiert. Keine Frage bleibt offen, die E-Mails waren wirklich sehr informativ!

Das ist also kein Vergleich zur Überfahrt nach Italien, wo wir teilweise bis kurz vor Abfahrt gar nicht sicher waren, ob wir in der richtigen Spur stehen.

Die Überfahrt mit der Fähre nach Schweden

Anreise Schweden Fähre

Alles geht ziemlich flott und Berta ist um 8:45 Uhr mit ca. 5cm Platz zum Vorder- und Hintermann auf der Fähre geparkt. Mit unseren gepackten Rucksäcken für die 9 Stunden gehen wir auf die Suche nach unserer Kabine. (Übrigens: Nimm Adiletten zum Duschen mit! Warum haben wir denn daran nicht gedacht?!)

Viele Menschen irren umher und suchen ihre Kabinen. Ah, da kommt eine Durchsage: Die Kabinen stehen uns erst eine Stunde nach Abfahrt und bis eine Stunde vor Ankunft zur Verfügung. Das erklärt, warum die Betten in den Kabinen noch unbezogen sind. Dann nehmen wir erstmal an Deck auf den Plastikstühlchen Platz und vertreiben uns die Zeit mit dem Blick auf das Ufer.

Anreise Schweden Fähre

Endlich: Wir dürfen in die Kabine und…. sind überrascht: Da liegt noch ein altes Taschentuch vom Vorgänger, eine alte Gurke, das Telefon ist kaputt, der Seifenspender hängt ungefähr noch mit einer einzigen Schraube an der Wand und der Teppich, ja der arme Teppich würde wirklich gerne mal wieder ein Rendez-vous mit einem Staubsauger haben. Die Kabine ist also ein ziemlicher Reinfall für den Preis, das einzig Positive ist das Fenster. Aber auch nur, weil man damit aus der Kabine schauen kann. Und nicht noch mehr alte Gurken, Taschentücher und sonstiges in der Kabine entdeckt. Die Kabine 8036 können wir leider nicht empfehlen – also echt gar nicht! Vielleicht hatten wir einfach Pech mit der Kabine und die anderen sind besser? Schade jedenfalls, dass es kein Camping on Board gibt, wie auf der Fähre nach Griechenland.

Am Spiegel in der Kabine steht: Wenn man mit etwas in der Kabine nicht zufrieden ist, dann solle man doch bitte an der Rezeption Bescheid geben. Ok. Wir machen uns auf zur Rezeption. Na klar – keiner da. Auch egal, die Sonne scheint und wir suchen lieber das Sonnendeck.

Die Überfahrt verbringen mit Serien in unserer Kabine, sonnen uns zwischendurch an Deck und fragen uns, wie lange die Gurke schon in der Kabine liegt und wie lange sie dort wohl noch liegen wird.

Unsere usselige Kabine ist aber immer noch etwas besser, als die ganzen 10 Stunden draußen an Deck oder irgendwo auf dem Gang oder im Restaurant zu sitzen. Dort ist es super voll, die Leute sitzen unbequem auf den Stühlchen oder liegen auf dem Boden. Ob da auch gammelige Gurken liegen? Okay, wir hören auf mit den Gurken. 

Anreise Schweden Fähre Blick auf ein Segelboot

Hej, Sverige!

Die Überfahrt ist ansonsten angenehm unspektakulär. Kein Wellengang, nix. Anna muss nicht mal eine Reisetablette schlucken. Pünktlich wie die Maurer kommen wir um 18:30 Uhr in Trelleborg an. Wir sitzen gespannt im Fahrerhaus von Berta, langsam öffnet sich die riesige Luke und Tageslicht strömt in den Schiffsbauch. Wir rollen durch die Luke und sehen schon von weitem die Polizeikontrolle am Ausgang des Hafengeländes. Wir zücken unsere Pässe und den digitalen Impfausweis – brauchen wir ja bestimmt gleich.

Anreise Schweden Fähre

„Do you have anything to declare?“ werden wir von der Polizistin gefragt. „No“ sagen wir etwas überrascht. Möchte sie denn gar nicht unsere schönen Personalien sehen und wie lange wir schon geimpft sind? Nein, unsere Namen, die Pässe und der Impfnachweis interessieren sie null. Aber ob wir denn Alkohol oder Zigaretten dabeihätten? Nö, haben wir nicht – außer die 15 kleinen Pils und die sind unter der Zollgrenze. 

Das Bier haben wir vor zwei Tagen übrigens bei einer kleinen Brauerei in Grönwald gekauft. Die Brauerei ist auch bei Landvergnügen dabei und wir durften dort eine Nacht auf ihrem Stellplatz mitten im Grünen verbringen. Wenn dir Landvergnügen noch nichts sagt, dann hier entlang zum Artikel: Unsere Erfahrung mit Landvergnügen – der andere Stellplatzführer

Wie lange wir denn in Schweden bleiben möchten und wo wir hinfahren, werden wir noch von der Polizistin gefragt. „Öhm, two months maybe? We don´t know yet, we drive around and explore your country“ sagen wir und müssen dabei über unseren eigenen vagen Plan schmunzeln. „Okay, thank you – drive safe“ und schon sind wir in Schweden angekommen.

Es ist schon später Nachmittag und wir suchen uns einen Stellplatz am Meer. Oder eher IM „Meer der Wohnmobile“? Wir lassen einen Stellplatz wegen Überfüllung links liegen und auch beim nächsten Stellplatz sehen wir das Meer eigentlich kaum. Denn davor stehen seeehr seeeeehr viele Wohnmobile. Gibt es hier etwas umsonst, außer den Stellplatz? Oder warum tummeln sich hier so viele Camper auf einem Fleck? Ok heute legen wir keinen Wert mehr auf einen einsamen Platz. Wir sind müde und uns lacht ein leckeres Abendbrot an. Für diese Nacht werden wir auf diesem Stellplatz also auch ein Teil der Womo-Herde.

„Nee, macht der nicht, oder?“. „Oh, doch, macht er“. Wir sehen das weiße Rückfahrtlicht und schnurgerade setzt sich ein Wohnmobil direkt neben uns – in die Distanz-und Anstandslücke, die wir eigentlich zu unserem linken Nachbarn gelassen hatten. Es wird für uns ein Phänomen bleiben, warum manche Camper so nah parken, dass sie die Krümel auf unseren Tellern zählen können. Aber gut, der Platz ist ja wirklich sehr voll. Wir machen die Schotten dicht und sagen fürs erste „Gute Nacht Schweden“.

Als wir am nächsten Morgen unseren Kopf aus dem Womo stecken, hat sich der Stellplatz schon sehr geleert. Sogar unsere „Kuschelnachbarn“ sind früh aufgestanden und schon gefahren. Wir genießen den Kaffee und machen uns auf in unser „Schweden-Abenteuer“, welches „maybe two months“ dauert.

Falls du schöne Wanderungen (Rundwanderwege, Tagestouren), Fahrradstrecken, mückenfreie (okay Scherz, gibt es nicht – oder?) Seen oder nette Loppis hast, dann lass es uns gerne per Kommentar oder Mail wissen!

Zusammenfassung: Tipps für die Anreise nach Schweden mit der Fähre

  • Auf der Webseite von aferry haben wir einen Preisvergleich der unterschiedlichen Fähranbieter gemacht. Dort kannst du auch vergleichen, ob die Überfahrt ab Travemünde oder Rostock günstiger ist
  • Die Tickets für die Anreise mit der Fähre nach Schweden haben wir direkt über die TT Line Webseite gebucht
  • Wir haben vier Tage vor Abfahrt noch einen „Last Minute“ Code mit 25% auf der Webseite von TT Line gefunden. Es gibt öfter auch andere Angebote, wie z.B. einen Rabatt auf den Längenzuschlag
  • Die Preise für die Fähre nach Schweden können je nach Wochentag variieren. Eine Anreise mit der Fähre nach Schweden war bei uns unter der Woche günstiger, als am Wochenende
  • Unsere gebuchte Kabine war leider sehr schmutzig. Falls du doch eine Kabine buchst, nimm Adiletten mit zum Duschen
  • Und ausreichend Snacks!
  • Lieber in Deutschland Benzin tanken und nochmal einkaufen gehen
  • Übernachten vor der Überfahrt: Es gibt einen Stellplatz kurz vor Lübeck, dort gibt es auch eine Ver- und Entsorgungsstelle (Herrenholz 1, 23556 Lübeck)
  • Erste Übernachtung in Schweden: Stellplatz etwas hinter Trelleborg (55.3399,13.3617)
  • Die Facebook Gruppe „Camping in Schweden“ bietet einen guten Austausch und Tipps u.a. auch für die Anreise, Wohnmobilstellplätze und schöne Campingplätze in der Natur etc.

Hast du vielleicht besser Erfahrungen mit den Kabinen auf der Fähre gemacht oder auch schon mal den Landweg gewählt? Lass es uns gerne per Kommentar oder per Mail wissen. Wir freuen uns von dir zu hören, natürlich auch, wenn dir der Artikel gefallen hat!

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4 Comments

  • die Schwaegerin

    also ich kann empfehlen
    1) nach Uppsala fahren, da ist es sehr schoen
    2) mittwochs Erbensuppe essen (schwedische Kantinen-Tradition)
    3) die Felszeichnungen raussuchen und ansehen (es gibt die an mehreren Orten und mit sehr schoenen Wanderwegen drumrum und es lohnt sich sehr, sie anzuschauen!)
    4) nach Abisko fahren und dort (wenn es nachts wieder dunkler wird) nachts die Polarlichter ansehen – die Aktivitaet wird zum Herbst hin staerker

    Bei Uppsala kann man auch gut paddeln 🙂

    • Anne und Anna

      Danke für deine Tipps! Uppsala steht auf unserer Liste und werden wir hoffentlich bald entdecken.Wir sind gerade noch etwas südlich von Stockholm. Oh, paddeln wäre auch sehr toll, da müssen wir nochmal recherchieren, wo das möglich wäre. Viele Grüße nach Kanada!

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